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Daniel Buren in Paris : Karierter Himmel

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Die Farben verschwimmen

Wer unter den Farbdächern stehend nach oben sieht, erlebt die gewaltige Raumhöhe in Blau, Gelb, Grün, Orange getaucht. In der Spiegelung verschwimmen die Farben zu Füßen des Betrachters bei bewölktem Himmel in zarten Pastelltönen, was zwar hübsch, keineswegs jedoch spektakulär aussieht. Bei Sonnenschein zeigt sich ein anderes Bild: Dann zeichnen sich auf dem Steinboden gestochen scharf die Konturen der farbigen Kreise ab, über und unter einem ist dann alles bunt, was einen Effekt hat, als wandle man durch ein Meer aus Farben.

Daniel Buren wurde 1968 mit seiner ersten Einzelausstellung bekannt: Damals verkleidete er die Eingangstür der Mailänder Galerie Apollinaire mit grün-weiß-gestreiften Stoffbahnen, klebte diese wie eine Tapete über die Tür und verhinderte so ein Hereinkommen, fertig war die Ausstellung. Etwas später verzierte er aus Protest, zu einer Sammelausstellung nicht eingeladen worden zu sein, die Stadt Bern mit rosa-weißen Streifen und landete für diese Aktion sogar im Gefängnis. Die Erinnerung daran belustigt ihn noch heute: „Bern ist ja so eine saubere, ordentliche Stadt, und ich hatte so gut wie alle Plakatwände überklebt. Natürlich hat das die Stadt ganz schön verändert“, sagt er fröhlich.

Zunächst arbeitete er ausschließlich mit Streifen, wobei ihm diese als eine Art neutrales Zeichen dienten, ähnlich früher dem Testbild im Fernsehen. Buren benutzte sie, um sichtbar zu machen, worauf normalerweise nicht geachtet wird. Oft ging es dabei um den Kunstbetrieb, mit dessen Konventionen er spielte, wenn er etwa die Wände eines Museums, normalerweise bloßer Hintergrund, durch seine Streifen in den Vordergrund rückte.

Keine Vorliebe für Streifen

Obwohl er seit Jahrzehnten auch mit anderen Formen und Materialien, wie etwa auch Spiegeln, arbeitet, wird Buren nach wie vor mit seinen Streifen assoziiert. Selbst Menschen, die seinen Namen nicht kennen, wissen, dass es da diesen Künstler gibt, der die Umgebung mit Streifen überzieht, mindestens die schwarz-weißen Säulen im Palais Royal kennt eigentlich jeder. Für sich entdeckt hat Buren das Muster zufällig, 1965 bei einem Spaziergang über den Marché Saint-Pierre: „Plötzlich fiel mein Blick auf einen Stand mit Markisenstoff - ich sah die Streifen und dachte: Das ist es! Ich hatte damals seit längerem versucht, die Malerei auf ein Minimum zu reduzieren, aber alles, was ich bis dahin erreicht hatte, war immer noch viel zu piktorial. Die Streifen erschienen mir neutral wie eine weiße Leinwand, bevor man sie bemalt. Sie waren perfekt.“

Möglicherweise, und das würde Daniel Buren wahrscheinlich nicht gerne hören (als ich ihn darauf anspreche, geht er geflissentlich darüber hinweg), hatte er mit seinen Streifen auch deshalb so einen Erfolg, weil Streifen einfach ziemlich elegant aussehen. Wer weiß, ob aus ihm ein ähnlich berühmter Künstler geworden wäre, hätte er damals eine Markise mit Punkten entdeckt? Er selbst will jedenfalls gar keine besondere Vorliebe für Streifen haben, dass Streifenpullover gerade in Mode sind, interessiert ihn nicht, und er findet es vollkommen absurd, wenn Menschen, was offenbar vorkommt, für ihn extra etwas Gestreiftes anziehen. „Es ist ein Zeichen, das ich benutze, ein visuelles Werkzeug, wie ich es nenne - aber ich bestehe darauf, dass ich zu Streifen sonst überhaupt keinen Bezug habe.“ Haben unterschiedliche Farben für ihn eigentlich unterschiedliche Bedeutungen?

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