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Dan Brown : Großgeheimnis

  • -Aktualisiert am

Man könnte glauben, es gebe nur eine Rettung für die amerikanische Verlagsbranche: Dan Browns neuer Verschwörungsschmöker „The Lost Symbol“, der nächste Woche millionenfach erscheint. Um ihn herum herrscht ein Maß an Geheimhaltung, das selbst für Verschwörungstheorien gut ist.

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          Von Google bis Kindle nichts als Katastrophenmeldungen. Verlagshäuser suchen nach dem Weg aus der Dauerkrise, der klassische Buchhandel, soweit es ihn in Amerika überhaupt noch gibt, hat sich aufs Dauerstöhnen verlegt. Sonst sorgte gelegentlich J. K. Rowling noch für einen Lichtblick; da von ihr zumindest harrypottermäßig keine Megaseller mehr zu erwarten sind, kann nur einer Rettung bringen, und der heißt Dan Brown. Allzu lang hat er seine Großgemeinde, die sich seit dem „Da Vinci Code“ um ihn schart, auf den nächsten Verschwörungsrätselschmöker warten lassen. Nächste Woche wird das Geheimnis gelüftet, auf einen Schlag in fünf Millionen Exemplaren.

          So macht Knopf Doubleday keinen Hehl daraus, wie „The Lost Symbol“ die Bilanzen auffrischen soll, und auf vollen Touren läuft der PR-Rummel, der gar nicht geschwätzig genug mit der Geheimhaltung von Geheimnissen kokettieren kann. Noch ist alles so geheim, was Brown da angeblich über Freimaurer in Washington zusammengesponnen hat, dass Jeff Bezos, der Chef von Amazon, die Bücherstapel rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewachen lässt und an der Tür des Lagers zwei Schlösser angebracht hat, die nur zwei Angestellte mit zwei Schlüsseln gemeinsam zu öffnen vermögen. Einer der wenigen Leute, die das Buch im Voraus lesen durften, nachdem sie ein Schweigegelübde unterzeichnet hatten, ist Matt Lauer, ein Star des Frühstücksfernsehens, der die kommenden Tage eine Art Schnitzeljagd um den Roman herum organisieren und den Autor sogar interviewen darf.

          Schrumpfende Gewinne

          Parodien des garantierten Welterfolgs sind auch im Umlauf, im Internet etwa auf Adamthinks.com, wo verraten wird, dass im letzten Kapitel kein anderer als Harry Potter stirbt. Das ist vielleicht nicht ganz so erschütternd wie das unwiderlegbare Faktum, dass „The Lost Symbol“ im Vorverkauf bereits für weniger als die Hälfte des empfohlenen Kaufpreises von 29,99 Dollar angeboten wird. Als E-Book soll es vom ersten Verkaufstag an herunterzuladen sein, wodurch die Gewinnspanne abermals schrumpft.

          Wermutstropfen fallen also in die Schale, die Dan Brown mit dem süffigsten Gebräu füllen sollte. Und weil ihm wohl doch nicht zuzumuten wäre, die Sache allein in die Profitzone zu schaukeln, sind ihm im Sachbuchbereich ein paar Hoffnungsträger beigesellt, allen voran Ted Kennedy, der vor seinem Tod einen Memoirenband fertigschrieb. Besprechungen fallen derart schmeichelhaft aus, dass die mutige Startauflage von einer halben Million Exemplaren gerechtfertigt scheint. Dass die beiden wahrscheinlichen Topseller der Saison in Washington spielen, ist vermutlich aber wirklich bloß ein Zufall.

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