https://www.faz.net/-gqz-15x0f
 

Damien Hirst : Entzauberte Kunst

  • -Aktualisiert am

Monacos schwach besuchtes Meeresmuseum sucht einen Retter und findet Damien Hirst, der seine zur Kunst hochpräparierten Haie und Rochen ins Aquarium gleiten lässt. Doch zwischen den lebenden Artgenossen wirken Hirsts Hochpreishaie nur wie fauler Zauber.

          1 Min.

          Wie viel Kunst würde bleiben, wenn Marcel Duchamps „Fahrrad-Rad“ in einem Fahrradladen ausgestellt würde? Es wäre den Versuch wert. Duchamps Revolutionswerk jedenfalls ist zuzutrauen, dass es seine Spannung halten würde, dass die leichte Veränderung des Readymade auch am Ursprungsort für eine kräftige künstlerische Aussage reichte. Dieses Vertrauen in seine eigene Arbeit hatte bislang sicherlich auch Damien Hirst, doch nun könnte ihn eine in seinen Kategorien eigentlich unspektakuläre Schau aus der Ruhe bringen, wenn er bei der Eröffnung aufmerksam hingesehen hat.

          Eine Auswahl seiner Installationen mischt sich im Musée Océanographique in Monaco unter die naturkundlichen Exponate des renovierten Traditionshauses, das vor hundert Jahren von Prinz Albert I. gegründet wurde. Das Museum steckt in einem Dilemma: Seine Lage ist traumhaft schön, doch die lebendigen und die konservierten Tiere will niemand mehr sehen. Stolze 400.000 Besucher mehr soll Hirst anziehen. Doch Haie gibt es hier schon, sie schwimmen hinter den Scheiben noch ganz lebendig hin und her und meistens auch in sehr kleinen Kreisen. Solche Platzprobleme kennt der Hirst-Hai „Fear of Flying“ nicht mehr. Das Formaldehyd hält ihn in Form und auf der Stelle fest. Doch wie die Chamäleon-Rochen in schubladengroßen Aquarien erlebt die abgestellte Hirst-Kunst eine Anpassung, die den künstlerischen Fisch mehr als unfrisch wirken lässt.

          Entauratisierte Haie

          Die Entzauberung wird offenbar. Der Hai ist wieder ein Hai, kein Memento-mori-Bonus ist weit und breit zu erkennen. Die Entscheidung für Hirst als Museumsretter entpuppt sich als Desaster. Die zeitgenössische Kunst sollte es richten und hat sich nun nur selbst entlarvt. Der Hai hat sich viele Jahre als Kunst ausgegeben, als prächtig verpacktes Readymade aus dem Ozean, und ist nun doch nur noch ein Präparat wie seine Artgenossen in den kleinen Gläsern wenige Meter entfernt. Hirst kann das nicht übersehen haben, trotz der Sonnenbrille, die er aufsetzte, als er den Saal betrat und sich einen kurzen Moment vor seinem „Fear for Flying“-Hai den Fotografen stellte.

          Auch die vier Pillenregale aus Gold, die wohl Monacos Piratenbucht persiflieren sollten, erleben ein ähnliches Schicksal wie die Tiere. Das bedeutendste Kunstwerk zeigte sich da erst beim Blick aus dem Fenster, wo sich eine klare, unendliche Himmelsweite auftat. Der Maler Yves Klein signierte dieses Blau imaginär wenige Kilometer entfernt im Jahr 1947 und erklärte es zum Gemälde. Es funktioniert in jedem Zusammenhang tadellos.

          Weitere Themen

          Erfolg mit Frauen-Power

          Zeitgenossen bei Phillips : Erfolg mit Frauen-Power

          Es lief nicht schlecht bei Phillips in London. Vor allem junge Künstlerinnen mit afrikanischem Hintergrund konnten ihre Erwartungen vervielfachen.

          Topmeldungen

          Mobbing: 95 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone. 
Leider nutzen Kinder die Geräte auch, um Angst und Hass zu verbreiten, wie auf dem Foto zu sehen ist. Der Studie „Cyberlife III“ zufolge können die Folgen fatal sein: Jedes vierte digitale Mobbingopfer hatte Suizidgedanken, jedes fünfte trank Alkohol, jedes dritte Opfer fühlte sich dauerhaft belastet.

          Cybermobbing : Wenn das eigene Kind per Whatsapp bedroht wird

          „Du kleine Schlampe“: Wenn das eigene Kind per Whatsapp übel beleidigt und mit Gewalt bedroht wird, ist eine Grenze überschritten. Was passiert, wenn man dagegen juristisch vorgeht? Ein Erfahrungsbericht.
          Geschieht immer häufiger auf digitalen Wegen: die besten Köpfe finden und die eigenen Talente pflegen.

          HR-Tech-Start-ups : Die jungen Wilden

          Digitale Start-ups wirbeln Personalabteilungen durcheinander – ob Mitarbeitersuche mit KI oder Online-Burnout-Prävention. Wir stellen einige von ihnen vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.