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Dackelblick und Politik : Wie Augen winseln

Ein Hundeblick erweicht das Herz - trotzdem ist der Vierbeiner in der Pension oft besser aufgehoben als im Urlaubsort. Bild: Cornelia Sick

Hund und Politik, das geht viel besser zusammen, seitdem wir wissen, wie der Mensch den Dackelblick erfunden hat. Über die Rolle der Augenbrauen müssen wir allerdings nochmal reden. Eine Glosse.

          Wer an Politiker denkt und über Hunde schreibt, kann gar nicht vorsichtig genug sein, irgendwelche Zusammenhänge herzustellen. Unglücklicherweise geht das nicht immer unfallfrei, wie nun auch die Nachbetrachtung der herzzerreißenden Geschichte über den unwiderstehlichen Hundeblick zeigt. Lang und breit wurde uns erläutert, wie in den dreiunddreißigtausend Jahren Züchtungshistorie, in denen der Mensch ein rauhbeiniges Rudeltier in jede denkbare Wolfsvariante verwandelt hat, doch etwas anhaltend Gutes herausgekommen ist: nichts weniger als der tiefe, anatomische Grund unserer Seelenverwandtschaft nämlich. Ein evolutionäres Meisterstück, weiß Gott.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Der Mensch hat dem Wolf den Dackelblick buchstäblich angezüchtet, er hat die Tiere, die große Augen machten und sich dem Kindchenschema annäherten, weitergezüchtet, weil genau das in unseren Vorvormüttern und Vorvorvätern einen Bindungshormonschub aus Oxytocin und damit einen ausgeprägten Kuschelreflex auslöste. Entscheidend sind freilich die Details. Nach den nun gängigen Beschreibungen bildeten sich um die Augen der Hunde zwei Muskelstränge, die den Wölfen fehlen. Und hier kommen die Politiker ins Spiel. Vor dem inneren Auge der Autoren, die den Fachartikel der amerikanischen Psychologen und Anatomen über den Hundeblick übersetzt haben, muss entweder ein Hans-Christian Ströbele, Theo Waigel oder der unlängst verstorbene CDU-Hardliner Jörg Schönbohm an der Leine gegangen sein. Was zugegeben schwer nachvollziehbar ist. Die angeblich „inneren Augenbrauen“ jedenfalls möchte man sich als Hundeliebhaber lieber nicht ausmalen, von denen nun die Rede ist.

          Das innere Blinzeln des Hundes

          Spezielle Gesichtsmuskel des Hundes über der Stirn sollen sie hoch und zum Ohr hinziehen und somit das Auge der Hunde vergrößern. Über die „inneren Augenbrauen“ jedoch ist unsere spezielle Beziehung zum Hund kaum zu erklären. Sehr wohl aber über die Augenlider, genauer: über die beiden Lidmuskeln Musculus levator anguli oculi medialis, der „Heber des innenseitigen Augenwinkels“, im Zusammenspiel mit Musculus retractor anguli oculi lateralis, dem „Zurückzieher des äußeren Augenwinkels“. Der Hund blinzelt praktisch nach innen.

          Wie gesagt, diese Muskeln hat nicht jeder. Dem Wolf gehen die mehr oder weniger komplett ab, und der anatomisch noch etwas grazilere Mensch nutzt sie für ganz andere Zwecke: Er guckt damit traurig. Zumindest helfen sie dabei. Probieren Sie es mal: Versinken Sie kurz in Melancholie und achten Sie auf ihre Augenpartie. Lider und Brauen machen mittels „Augenbrauenrunzler“-Muskel und „Augenbrauenheber“ Platz für die Pupillen, der Augapfel tritt leicht vor: groß, rund und feucht. Leider ist nicht alles, was zum perfekten Kindchenschema zählt – Dackelblick, hohe Stirn, große Augen, kleine Nase – jederzeit von uns Erwachsenen abrufbar.

          Es fällt aber schon auf, wie geschmeidig etwa Robert Habeck seine Gesichtsmuskeln einzusetzen weiß und seine Augen sprechen lässt. Selten bleiben sie stumm, andauernd wirken sie tränenschwer und tief.Keiner blinzelt wie Habeck.

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