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Houellebecqs „Serotonin“ : Und mit dieser Karikatur soll man nun Mitleid haben?

  • -Aktualisiert am

Scheiden tut weh: Eine Pariser Bahnhofsbegegnung ist in Michel Houellebecqs neuem Roman der Stachel für den Schmerz eines ganzen Lebens. Bild: mauritius images

Ganz Paris träumt von der Liebe, aber muss man deswegen gleich aus dem Fenster springen? Michel Houellebecqs Roman „Serotonin“ richtet den depressiven Dandy endgültig zugrunde – mit starker Moral.

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          Was ist diesem Buch nicht alles an Gerüchten vorausgeeilt: Der prophetische Roman über die „Gelbwesten“ wäre es. Allerdings kommen sie gar nicht darin vor. Eine „Phänomenologie der Fellatio“ sah darin ein französischer Kritiker. Im Vergleich zu früheren Werken Houellebecqs ist es eine eher kurze Phänomenologie; irreführend ist die Aussage aber vor allem, weil man auf der vierten Seite von „Serotonin“ schon erfährt, dass der Protagonist impotent und nicht mehr im Geringsten an Sex interessiert ist. Ebendarum geht es in diesem Roman, an diesem für eine Houellebecq-Figur durchaus überraschenden Haken hängt seine starke moralische Pointe. Und schließlich erfuhr man aus der „Zeit“, Michel Houellebecq verkläre in seinem neuen Roman die französische Provinz und verdamme die Europäische Union. Das tut, wenn überhaupt, der Protagonist des Buchs, und dieser ist, vielleicht nicht ganz unwichtig zu erwähnen, ein Psychopath.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn „Serotonin“ nun am Montag in den deutschen Buchhandel kommt, wird sich die Leserschaft davon überzeugen können, dass es sich dabei kaum um eine politische Satire handelt, sosehr das viele vom Nachfolgebuch von „Unterwerfung“ vielleicht erwartet und erhofft haben, sondern um einen tieftraurigen Liebesroman. Wobei er satirische Züge durchaus aufweist. Die Hauptfigur ist auf Seite 291 kurz davor, ein vierjähriges Kind mit einem Präzisionsgewehr zu erschießen, um dessen Mutter ganz für sich zu haben. Da darf man durchaus auf die Idee kommen, Übertreibung zu wittern. „Übertreibung“ wäre vielleicht sogar ein Alternativtitel für diesen Roman, dessen Schlüsselsätze lauten: „Muss man wirklich so deutlich werden? Offenbar ja.“

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