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D-Day : Held aus Zufall

  • -Aktualisiert am

Das ist das Ende unseres Tonbandinterviews. Aber später ruft er mich noch ein paarmal an, um diesen einen Punkt klarzustellen. Er sei nicht tapfer gewesen. Ich sage, okay Dad, alles klar. Dann ruft er an und echauffiert sich: „Hast du diese Sendung in der BBC gesehen, wo gezeigt wird, wie junge Leute so tun, als wären sie im Krieg? So ein Quatsch. Man kann doch die Angst nicht wiederholen. Sie können doch nicht zeigen, wie es war, wenn man eine Gasmaske bekam. Was das in den Köpfen der Leute bewirkte.“ Während dieses Gesprächs wiederhole ich meine Frage in etwas anderer Form. Wenn schon nicht tapfer, sei er dann wenigstens stolz? „Nein. Wenn ich einer der Sanitäter am Strand gewesen wäre. Oder etwas wie Bert Scaife getan hätte, dann vielleicht. Aber das war ja nicht der Fall.“ Harvey Smith ist nicht Bert Scaife - das soll ganz klar sein. Als er diesen hohen Nazi erwischte, wollten seine Kameraden den Mann töten. Mein Vater überredete sie zu einer geringeren Strafe. Der Nazi sollte zehn Kilometer vor ihrem Panzer herlaufen, bevor man ihn den Behörden überstellte. Es ist charakteristisch für Harvey, daß er mir diese Geschichte nicht ohne Scham erzählt. Er findet, er habe sich grausam verhalten.

Ich weiß, daß Stolz für Harvey eine blasse Tugend ist. Er findet, daß individuelle Handlungen etwas nützen oder eben nicht, und später stolz darauf zu sein, davon hat niemand etwas, und es ändert nichts. Doch ich bin trotzdem stolz auf einen Menschen, der sich unter unmenschlichsten Bedingungen seine Menschlichkeit bewahrt hat. Dazu braucht es viel Mut. Es ist eine besondere Form von Tapferkeit, und es ist eine Eigenschaft, die mein Vater mit Millionen einfacher Männer und Frauen teilt, die in diesem elenden Krieg gekämpft haben.

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