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Zum Tod von Ginger Baker : Trommelrituale eines genialen Feuerkopfs

  • -Aktualisiert am

Ginger Baker (1939 bis 2019), hier im Jahr 1970 auf Fehmarn Bild: Picture-Alliance

Ekstase kann auch eine Form der Musikforschung sein: Zum Tod des Rockschlagzeugers und Cream-Mitbegründers Ginger Baker.

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          „Wie er da mit seinem langen roten Haar hinter den Trommeln hockte, wirkte er wie ein besessener, böser Geist. Er spielte damals auf einem selbstgebauten Schlagzeug, und es klang so verdammt gut.“ Einen Schlagzeuger wie Ginger Baker hatte der Bassist Jack Bruce nie zuvor gehört. Schon bei ihrer ersten Begegnung im Jahr 1962 wurde ihm klar, dass er unbedingt mit ihm zusammen spielen wollte. Schon im folgenden Jahr bildeten die beiden in der Graham Bond Organization die aufregendste Rhythmusgruppe Englands. Doch erst mit der Gründung der Band Cream im Jahr 1966 sollte Ginger Baker seine Sternstunden erleben.

          Vom ersten Moment an empfanden Eric Clapton, Bruce und Baker ihr Zusammenspiel als vollkommen magisch. Schon bei den ersten Proben sprang der Funke über und ließ wie in einer unvorhersehbaren chemischen Reaktion einen gänzlich neuen Explosivstoff entstehen. Der beinahe unheimliche Energiefluss des Trios bei zugleich traumwandlerischer Interaktion und ständig wechselseitiger Befeuerung schlug die Brücke von der britischen Blues-Bewegung über Psychedelic-Rock und Progressive-Pop bis zum Jazzrock der nächsten Dekade. Nie zuvor hatten bluesbasierte Rockmusiker so hemmungslos miteinander improvisiert und die Grenzen ihrer Instrumente erforscht. Was Clapton jedoch zunächst nicht wusste, war, dass Baker und Bruce schon bei Graham Bond regelmäßig aneinandergeraten waren. Während der eine dem anderen vorhielt, zu laut zu spielen und zur Warnung ein paar Drumsticks abfeuerte, reagierte der andere nicht selten mit seinem Bass-Ständer als Wurfgeschoss: Der Spaltpilz von Cream war schon in der Band-Gründung vorhanden.

          Cream im Jahr 1966: Jack Bruce, Ginger Baker und Eric Clapton (von links)

          Er gilt nicht nur als Begründer des virtuosen Drum-Solos in der Rockmusik und als Erfinder des sogenannten Double-Bass-Drum-Spiels, wie er es in seiner Paradenummer „Toad“ perfektioniert hat – Ginger Baker machte auch seinem Ruf als unberechenbarer Feuerkopf in den mehr als dreißig Formationen, in denen er in seiner sechzig Jahre währenden Karriere getrommelt hat, alle Ehre. Der „Hellraiser“– wie er sich in seiner gleichnamigen Autobiographie bezeichnet – wurde am 19.August 1939 in Lewisham, drei Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, als Peter „Ginger“ Baker geboren. Schon in seiner Schulklasse trommelte er ständig mit den Fingern auf der Schulbank herum. Als er seiner Mutter erklärte, er wünsche sich sehnlichst ein Schlagzeug, reagierte die vollkommen verständnislos und besorgte ihm stattdessen eine Trompete. Am liebsten hörte der heranwachsende Baker Bebop-Aufnahmen von Charlie Parker und Dizzy Gillespie. Sein Held aber wurde der Drummer, Max Roach. In der Kellerwohnung der englischen Schlagzeug-Legende Phil Seamen erlebte Baker Anfang der Sechziger erstmals die Trommelrituale Afrikas: „Aus seinem Plattenspieler dröhnte der Sound der Watusi-Drummer und für mich öffnete sich eine Tür, ein Licht begann zu leuchten, die Rhythmen Afrikas pulsierten durch mein Blut, und ich konnte es nicht erwarten, sie auf meinen eigenen Trommeln zu spielen.“ Leider machte Seamen ihn auch mit den fatalen Verheißungen von Heroin bekannt, unter denen Baker sein Leben lang leiden sollte.

          Nie wieder, weder in seiner bluesbasierten Bigband Air Force Anfang der Siebziger noch in der Baker-Gurvitz-Army, dem BBM-Trio – Bruce und Baker mit Gary Moore – in den Neunzigern oder in seinen zahlreichen Solo-Arbeiten mit Jazzmusikern während der letzten Jahre sollte es dem Ausnahmedrummer gelingen, seine afrikanisch gefärbte Trommelsprache, in der die Becken-Arbeit traditionsgemäß in den Hintergrund tritt, zu einer solchen Brillanz und Explosivkraft zu formen, wie im Triumvirat von Cream.

          Sein ewiger Rivale-Herausforderer-Freund Jack Bruce brachte 2006 anlässlich der Cream-Reunion die Tugenden des hitzigen Drum-Derwischs, noch einmal auf den Punkt: „Ginger ist nun mal Ginger, aber er ist auch der größte Drummer, den dieses Land jemals hervorgebracht hat, wahrscheinlich sogar der größte Drummer, den es je im Rock gab – obwohl er sich wahrscheinlich niemals als Rockmusiker bezeichnen würde.“ Am Sonntag ist Ginger Baker im Alter von achtzig Jahren im Südosten Englands verstorben.

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