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Cosima von Bonin : Erfahrungsräume am Reisfeld

Fundstücke wie hastig ausgezogene Hosen: Cosima von Bonin Bild: Katrin Schilling

Cosima von Bonins Objekte sind Reflexionen über Architektur - aber auch über das Ausstellen selbst. Das bereitet im Kleinen vor, was die documenta 12 als Ganzes auch sein will - eine Ausstellung über Möglichkeiten und Formen des Ausstellens.

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          In der documenta-Halle werden, neben Peter Friedls Giraffe und Manglano-Ovalles „Phantom Truck“, mehrere Objekte der 1962 in Mombasa geborenen deutschen Künstlerin Cosima von Bonin gezeigt. In weißen, an ideale Bauhaus-Architekturen erinnernden Konstruktionen sind Fundstücke wie hastig ausgezogene Hosen zu sehen; daneben erinnert ein schwarzlackiertes Treppenobjekt an Modeschauen und Showbühnen, eine Budenarchitektur an ziehende Händler und improvisierte Unterstände. Zwei Grundformen der Moderne werden hier vorgeführt: Die utopische Klarheit der reinen Form, die im Leben immer surreal, ausgedacht und wie eine begehbare Idee wirkt und hier mit seltsamem Leben angefüllt wird, und ihr Gegenstück, die vollkommen antiästhetische, aus dem Schrott der Zivilisation schnell zusammengezimmerte Bude, die den beschleunigten Bedürfnissen der Moderne Rechnung trägt. Bonins Objekte sind Reflexionen über Architektur – aber auch über das Ausstellen selbst, wie die Alltagsobjekte in den weißen Rastern zeigen.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Das bereitet im Kleinen vor, was die documenta 12 als Ganzes auch sein will – eine Ausstellung über Möglichkeiten und Formen des Ausstellens (was die Kuratorenkollegen mehr interessieren dürfte als das breite Publikum). Das Fridericianum sieht, mit Gardinen, dunkelgrünen und roten Wänden, so museal wie nie aus, und es ist offenbar eine vorsätzliche Ironie, dass hier die Dokumente einer Kunst ausgestellt werden, die nichts so wenig wollte, wie einmal im Museum zu landen: die Arbeiten der Tänzerin und Aktionskünstlerin Trisha Brown zum Beispiel, deren emanzipatorischer Furor sich in den museal gerahmten Sedimenten ihrer Kunst nur sehr mühsam mitteilt. In der Aue dominiert das Gegenkonzept: Hier wird Kunst in einem Zwittergehäuse aus Bierzelt, Glaspalast und Treibhaus ausgestellt. Buergel will neue Erfahrungsräume schaffen – dazu gehört der Aue-Pavillon ebenso wie der topographische Globalisierungssurrealismus der Kuratoren: Vor dem Fridericianum ließen sie ihre Künstler ein Mohnfeld pflanzen, vor Schloß Wilhelmshöhe auf 7000 Quadratmetern Reis anbauen. Nun sieht es aus, als seien durch ein kosmisches Chaos Erste und Dritte Welt unlösbar ineinander verkeilt worden.

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