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Corona-Pandemie in Russland : Küssen verboten

  • -Aktualisiert am

Reliquienveerehrung in der Kathedrale von Sankt Petersburg. Bild: AFP

Die orthodoxe Kirche in Russland will auch angesichts der Corona-Pandemie auf Gottesdienste nicht verzichten. Einige Bräuche zumindest schränkt sie ein.

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          Im Zeichen der Corona-Krise wurden auch in Russland Massenveranstaltungen abgesagt, nur die orthodoxe Kirche hält weiter Gottesdienste ab. Während die Moskauer Rabbiner ihre Synagogen zusperrten und der Vorsitzende der islamischen Geistlichkeit, Mufti Albir Krganow, die russischen Muslime dazu aufrief, zu Hause zu beten, standen noch vorige Woche in der Kasaner Kathedrale in Petersburg Gläubige Schlange, um den aus Jerusalem eingeflogenen Schrein mit Reliquien von Johannes dem Täufer zu küssen.

          Jetzt versprach der für die Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats zuständige Metropolit Ilarion, alle Fasten- und Ostermessen würden gefeiert – allerdings nach neuen Hygieneregeln, die Patriarch Kirill eigens erlassen hat.

          Demnach soll bei der Heiligen Kommunion, die traditionell mit einem Gemeinschaftslöffel verabreicht wird, dieser nach jedem Gläubigen desinfiziert werden, der Messwein soll in Einwegbechern ausgeschenkt, die Hostie mit Gummihandschuhen verteilt werden. Außerdem sollen die Kirchgänger auf den Brauch, Ikonen, Kreuzdarstellungen und die Hand des Priesters zu küssen, verzichten.

          Ilarion appellierte an die Gläubigen, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Der Patriarch selbst blieb erstmals einem Sonntagsgottesdienst während der Großen Fasten fern, und die nordrussische Klosterinsel Walaam, auf der sowohl Kirill als auch Putin eine Residenz besitzen, wurde unter Quarantäne gestellt.

          Der hohe Klerus sorge sich weniger um die einfachen Leute als um sein Image, Geld und Macht, glaubt der Theologe und Publizist Andrej Kurajew. Wenn orthodoxe Bischöfe in Europa und Amerika jetzt ihre Gemeinden dazu anhielten, behördliche Anordnungen zu befolgen, so spreche daraus, davon ist Kurajew überzeugt, nur die Furcht vor dem Rechtsstaat.

          Doch in der Klosterstadt Sergiew Possad bei Moskau findet der gelehrte Erzpriester Pawel Welikanow theologische Argumente für das Tragen von Masken und den Verzicht auf Ikonenküsse oder den Kommunionslöffel. Für Gott seien diese Rituale unwichtig, sagt Vater Pawel. Wichtig seien die lebendigen Menschen in der Kirche, für sie sei einst Christus gestorben. Die Sorge um diese Nächsten solle den Rechtgläubigen dazu bewegen, im Kirchenraum Abstand zu halten, die Heiligen Gaben möglichst kontaktlos zu empfangen und bei geringsten Erkältungssymptomen zu Hause zu bleiben.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

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