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Ausstellung in Rom ausgesetzt : Kein Raffaello

  • -Aktualisiert am

Corona-Stillleben mit Gesichtsmaske und römischem Kollosseum Bild: AP

So hat man Rom noch nicht erlebt: Die Hauptausstellung des Raffael-Jahres 2020 in Rom wurde nach nur drei Tagen Laufzeit kurzfristig wegen Corona ausgesetzt. Auch sonst sind in der Ewigen Stadt kaum Touristen.

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          Die Spanische Treppe in Rom war fast menschenleer am Sonntagvormittag, nachdem sich eine Protestkundgebung zum Frauentag wieder aufgelöst hatte. Einer der schönsten Blicke auf die Trajanssäule, die Treppe vom Torre delle Milizie nach unten, gerahmt von pittoresken Altbauten – ebenfalls leer. Auf Michelangelos Kapitolsplatz und entlang der Kaiserforen spazieren nur unentwegte Touristen. Corona schwebt als unsichtbare Bedrohung über der Stadt. Die Treppenanlagen zwischen den sieben Hügeln sehen nun wirklich aus wie die gemalten und menschenleeren Bühnenbildarchitekturen von de Chirico.

          Anwohner vom Stadtrand sind verblüfft, frühmorgens eine halbe Stunde schneller in die Innenstadt brausen zu können. Und auch wenn offiziell keine „baci“ mehr bei der Begrüßung verteilt werden sollen – einige echte Römer geben sich weiter Küsschen auf die Wangen, verschwörerisch fast, wie frühe Christen, die während der Verfolgungen nicht erkannt werden wollten und deshalb Geheimcodes entwickelten.

          Die Hotellerie der vom Tourismus abhängigen Stadt fürchtet jetzt schon Jahreseinbußen von bis zu einem Drittel, die Buchungssysteme ihrer Computer brechen ständig zusammen angesichts der anbrandenden Stornoflut bis Juni, Juli. Richtig bitter aber sind die Vorsichtsmaßnahmen für Künstler, deren Ausstellungen jetzt reihenweise abgesagt werden. So wird etwa die Schau der Villa-Massimo-Stipendiatin Birgit Brenner gar nicht erst eröffnet, weil die Massimo-Direktorin weder den staatlich geforderten Mindestabstand der Ausstellungsbesucher von eineinhalb Metern garantieren kann noch die traditionellen römischen Begrüßungssitten unterbinden möchte.

          Viele sonst überlaufene Orte in Rom sind derzeit fast menschenleer wie die Plätze auf Gemälden von Giorgio de Chirico.

          Die symbolträchtigste Ausstellungsabsage allerdings betrifft Raffael. Erst am Freitag gegenüber dem Quirinalspalast des Staatspräsidenten eröffnet, wurde die Hauptschau zum Raffael-Jahr 2020 nach nur drei Tagen vorerst wieder geschlossen. Im Eingangsbereich der Schau, die den Untertitel „1520–1483“ trägt, Raffaels wenige Lebensjahre also vom Todesdatum aus rückwärts erzählt, stand die maßstäblich nur wenig verkleinerte Kopie seines acht Meter hohen Grabmals aus dem Pantheon. Täuschend echt wurde der Grabaltar aus Buntmarmor in 3D ausgedruckt, mitsamt der überlebensgroßen Madonna del Sasso von Lorenzetto in der Nische.

          Da könnte man fast wie Anita Ekberg in aller Seelenruhe ein Bad nehmen: Selbst ein Touristenmagnet wie die römische Fontana di Trevi zieht aktuell wegen des Coronavirus deutlich weniger Schaulustige an.

          Schon bevor man in der Schau auf diese aufwendige und den früher quasigöttlich verehrten Künstler noch mehr sakralisierende Anlage stieß, waren zwei weitere monumentale Bilder des neunzehnten Jahrhunderts abzuschreiten, auf denen sein Tod von anderen Malerkollegen wie etwa Dürer betrauert wurde. Armer Raffael – ausgerechnet seine große Ausstellung zum fünfhundertsten Todestag hat nun ebenfalls ein vorzeitiges Ableben ereilt, nachdem das Malergenie selbst im Alter von nur siebenunddreißig Jahren verstorben ist.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

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