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Frankfurts Theaterpläne : Doppelrolle des Virus

Die Bühne des Schauspiels Frankfurt Bild: Picture-Alliance

Auf Eis gelegt: Frankfurts teure Theaterpläne werden vorläufig aufgeschoben – wegen der Coronakrise. Das kommt nicht allen ungelegen.

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          Manchmal helfen nur Ausdauer und Hartnäckigkeit. Zwischen den ersten Rufen nach einem Neubau und dessen Eröffnung lagen 33 Jahre. Zweimal wurde das Vorhaben rüde abgebremst und vorläufig zu den Akten gelegt, auf denen ein herzlos klingender, aber womöglich doch von Herzen kommender Vermerk gestanden haben dürfte: „Kann warten“. Beide Male war der Aufschub nicht allein dem Geldmangel geschuldet, sondern den Zeitläufen, die andere Vorhaben in der Stadt als wichtiger erscheinen ließen.

          Mehrfach musste der berühmte Architekt im Laufe der Jahre seine Pläne überarbeiten, bevor 1983 endlich der Grundstein gelegt werden konnte. Die Welt war unterdessen eine andere geworden und Alvar Aalto sieben Jahre zuvor gestorben. Aber seine Entwürfe wurden Wirklichkeit. Seit der Eröffnung im Jahr 1988 trägt das Essener Opernhaus den Namen des finnischen Architekten.

          Welche Rolle wird das Jahr 2020 spielen, wenn Frankfurt dereinst zurückblickt auf die hakenschlagende Geschichte seiner Theaterbauten? Markiert es den Anfang vom Ende hochfliegender Milliardenpläne oder nur eine coronabedingte Planungspause? Jedenfalls hat Frankfurts Oberbürgermeister jetzt erklärt, dass der seit Jahren diskutierte Neubau, für den achthundert Millionen Euro oder mehr veranschlagt werden, auf unbestimmte Zeit verschoben sei. Die Stadt habe angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten andere Prioritäten. Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Nachdem im Januar der Abriss der Doppelanlage von Schauspiel und Oper beschlossen worden war, droht nun also Stillstand auf unabsehbare Zeit. Nicht allen Frankfurter Kommunalpolitikern dürfte dies ungelegen kommen: Die rot-schwarze-grüne Koalition ist in der Frage gründlich zerstritten, und das Herz des Oberbürgermeisters schlägt ohnehin nicht für die Kultur. Bislang hat man sich noch nicht einmal darauf einigen können, ob der traditionsreiche Standort in der Innenstadt beibehalten werden soll. Koalitionsstreit, Ressortgerangel, Machtkämpfe in und zwischen den Parteien, nicht zu vergessen Immobilienspekulationen und Investoreninteressen – die Gemengelage war schon vor der Krise unübersichtlich.

          Jetzt ist noch das Virus hinzugekommen. Coronas Auftritt auf der Frankfurter Bühne ist dramaturgisch gesehen von klassischer Durchtriebenheit: Es macht komplizierte Situationen noch viel komplizierter und bietet zugleich die Legitimation für die in jüngster Zeit oft geforderte „klare Kante“. In dieser tückischen Doppelrolle werden wir das Virus in den nächsten Wochen noch öfter sehen. Es ist Teil des gordischen Knotens und zugleich das Schwert, mit dem er durchtrennt werden soll.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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