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Karen Krüger (kkr)

Italien sucht Corona-Kommissar : Zuständig, ich?

  • -Aktualisiert am

Wollen die Posse um den Gesundheitskommissar beenden: Die kalabrischen Bürgermeister Mario Occhiuto (v.l.n.r.), Giuseppe Falcomata und Sergio Abramo. Bild: dpa

In den Krankenhäusern der süditalienischen Region Kalabrien herrscht der Corona-Ausnahmezustand. Auch, weil niemand als Gesundheitskommissar antreten will. Die bisherigen Kandidaten haben sich lächerlich gemacht.

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          Irgendetwas stimmt nicht mit dem Stuhl, auf dem der Retter Kalabriens sitzen soll. In der süditalienischen Region, einer der ärmsten des Landes, herrscht in den Krankenhäusern seit Wochen Ausnahmezustand. Das ist auch deshalb so, weil es an politischer Führung fehlt. Der erste Gesundheitskommissar, Saverio Citticelli, stolperte vor etwa zwei Wochen über ein live im Fernsehen ausgestrahltes Interview. Von den Corona-Zahlen in seiner Region hatte er wenig Ahnung, angesprochen auf die katastrophalen Zustände in den Krankenhäusern, sagte er: „Wie, für den Covid-Notfallplan bin etwa ich zuständig?“

          Später versuchte er seine Aussage zu relativieren: Irgendwann im Sommer habe er eine Unterschrift unter einen Reorganisationsplan für das Gesundheits- und Krankenhausnetz gesetzt. Am Tag des Fernsehinterviews sei er jedoch krank gewesen, die Medikamente hätten ihm die Sinne vernebelt und die Journalisten ihn in einen Hinterhalt gelockt. Ministerpräsident Conte forderte ihn trotzdem auf, den Hut zu nehmen, und inthronisierte Giuseppe Zuccatelli, den Chef eines Krankenhausbetreibers.

          Es dauerte nur wenige Stunden, bis auch er Geschichte war: Im Internet tauchte ein Video auf, in dem Zuccatelli sich wie ein Corona-Leugner benimmt: Atemschutzmasken nützten einen feuchten Dreck, sagt er da. Um sich das Virus einzufangen, müsse man einen Infizierten schon „fünfzehn Minuten lang mit der Zunge küssen“. Auch Zuccatelli versuchte vergeblich, sich zu verteidigen: Die Aussagen seien aus dem Kontext gerissen und stammten aus den ersten Monaten der Pandemie, selbstverständlich nütze die Atemschutzmaske vor Ansteckung. Danach war Eugenio Gaudio, Mediziner und Rektor der Universität Sapienza in Rom, als Kandidat an der Reihe. Doch der winkte, noch bevor etwas zu Kolportierendes in den Medien hätte auftauchen können, schnell ab. Seine Frau habe keine Lust, von Rom nach Kalabrien umzuziehen.

          Nach dieser dritten Pleite versprach die Regierung, bis Dienstag sei ein neuer Kommissar gefunden. Doch jeder, den sie auf dem Zettel hatte, sagte ab. Offenbar will niemand für mindestens zwei Jahre nach Kalabrien ziehen. Vor allem nicht für einen Job, aus dem man aufgrund der Zustände eigentlich nur als Verlierer hervorgehen kann. Die peinliche Kandidatensuche geht also weiter. Bis eine Lösung gefunden ist, soll die private Hilfsorganisation „Emergency“ in Kalabrien die Stellung halten. Sie ist unter anderem in Ländern Afrikas und in Afghanistan tätig. „Die Wahrheit ist, dass nicht einmal Jesus Christus einen solchen Auftrag annehmen würde“, vertraute ein Minister dem Nachrichtenportal Adnkronos an.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton.

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