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Pandemie und Rechtsstaat : Freiheit, auch ausnahmsweise

  • -Aktualisiert am

Masken in einem Perückengeschäft in Washington Bild: AFP

In der Krise zählt das Recht auf die Selbsterhaltung der freien Persönlichkeit, schreibt der Philosoph Thomas Sören Hoffmann in seinem Gastbeitrag: Von einer Politik der Angst dürfen wir uns nicht leiten lassen.

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          „Verkehrte Welt“ hätte man bis vor kurzem gesagt – „neue Normalität“ nennt es jetzt die regierende Einsicht. Wie „social distancing“ inzwischen die andere Seite von „Zusammenhalt“ ist, so finden sich in der Corona-Welt auch weitere Beispiele für den dialektischen Umschlag. Familienfreunde etwa meldeten gleich zu Beginn der Ausgangssperren eine „Corona-Chance“; sie weissagten eine neue Beziehungskultur, die in der durch den Staat entschleunigten Häuslichkeit unweigerlich aufblühen würde. Freilich war man gewitzt genug, rechtzeitig wegzusehen, als diese neue Kultur im Zeichen von Spielplatzverbot und mit Heimunterricht überforderten Eltern traumatisierende Formen annahm, wenn nicht in nackte Gewalt, ja in physischen Kindesmissbrauch umzuschlagen begann.

          Wegsehen lernte auch rasch die Politik, die für ihr Tun und Verordnen auf Wissenschaft pocht, dabei jedoch nur einen kleinen Kronrat nicht unbedingt von der Wissenschaft selbst delegierter Experten im Auge hat – und so jene Staatswahrheiten schafft, über die keine weitere Diskussion erwünscht ist: Im Notstand ist schon der Wille zum Austausch von Argumenten toxisch, Diskutanten geraten in den Ruf von Lebensgefährdern, Denunzianten dagegen genießen Kredit als Lebensschützer.

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