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Corona und „Covidioten“ : Wer bei Hygiene-Demos mitläuft

Für eine dumpfe Verschwörungstheorie reichen vier Worte: Demonstrantin bei der Kundgebung „Querdenken 711“ vor einer Woche auf dem Cannstatter Wasen. Bild: dpa

Die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern stoßen auf breite Akzeptanz. Den Bundesliga-Start sehen viele skeptisch. Doch die Verschwörungstheoretiker marschieren wieder los. Und die FDP hat ein Problem.

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          Der „Deutschlandtrend“, den die Meinungsforscher von Infratest Dimap für die ARD ermitteln, ist ein Stimmungsbarometer. Im Augenblick zeigt es an, dass die Stimmung in Sachen Corona-Maßnahmen schwankt, aber nicht kippt, so wie sich die Initiatoren von „Hygiene-Demos“ das vielleicht wünschen.

          56 Prozent der Befragten, teilt die ARD mit, seien dafür, die geltenden Maßnahmen beizubehalten (im „ZDF-Politbarometer“ sind es sogar 66 Prozent). Vierzig Prozent wollten Lockerungen. Das sei eine Verkehrung der Verhältnisse von vor einer Woche, so die ARD. 56 Prozent der Befragten hielten es auch für falsch, dass die Fußball-Bundesliga wieder spielt, 31 Prozent sprächen sich für den Liga-Neustart aus. Selbst diejenigen, die für weitere Lockerungen eintreten, sind mit Blick auf den Fußball skeptisch: Vierzig Prozent wollen, dass der Ball rollt, 45 Prozent haben Zweifel.

          Wenn auch die Bürger schon bei der zweitwichtigsten Sache der Welt, die Stadien in der ganzen Republik füllt und Millionen vor den Bildschirm lockt, Vorsicht walten lassen, ist doch die Hoffnung längst nicht verflogen, dass diejenigen, die aggressiv gegen die Corona-Politik von Bund und Ländern vorgehen, nicht die Oberhand gewinnen.

          Da versammeln sich HNO-Ärzte, Vegan-Köche und Showpromis der C-Klasse und vertreten ihre jeweils ganz eigene Verschwörungstheorie, der linke und der rechte Rand schlagen gegen den verhassten Staat los. Wie das im Extremfall ausfällt, haben wir bei den Angriffen auf Journalisten und bei der Falle gesehen, in die „Reichsbürger“ in Troisdorf in einem Supermarkt Polizeibeamte gelockt und diese schwer verletzt haben.

          Womit wir es hier zu tun haben, sagte der Satiriker Dietmar Wischmeyer, der für die „heute-show“ des ZDF arbeitet, deren Drehteam am 1. Mai in Berlin angegriffen wurde, in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ deutlich. Man solle nicht, wie etwa der Deutsche Journalisten-Verband, von einem Angriff auf die Pressefreiheit sprechen, sondern es als das benennen, was es war: ein „heimtückischer Überfall von kriminellem Pack“, ausgeführt in Berlin, das am 1. Mai seit Jahren „das Epizentrum des selbstgefälligen Irrsinns“ sei. „Debiles Rowdytum“ sei nicht mit politischem Handeln zu verwechseln.

          Das sollten sich auch diejenigen merken, die als „Bürger“ Kritik üben und bei solchen Demos mitlaufen – mit wem sie sich gemein machen. Kritik, wie sie in einer demokratischen, zivilisierten Gesellschaft geübt wird, ist etwas anderes als der dumpfe Auflauf, den wir zurzeit gewärtigen.

          Die Aufgabe der Grenzziehung ist übrigens insbesondere eine für die FDP. Dem „Deutschlandtrend“ zufolge befürworten 63 Prozent der FDP-Anhänger weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen – und 61 Prozent der AfD-Parteigänger. Den Freien Demokraten sollte sehr daran gelegen sein, ihre Auffassung von Liberalität gegen die antibürgerliche und antidemokratische Grundhaltung, für welche die AfD steht, abzudichten, nicht nur im Fall des Demomitläufers Thomas Kemmerich. Sonst veranstalten die Liberalen gefährliche Geisterspiele, wie sie nun in der Bundesliga beginnen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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