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Wunderdoktor Künzle : Lässt sich Corona durch Kräuter heilen?

  • -Aktualisiert am

Die Wilde Malve ist ein fester Bestandteil der Kräuterheilkunde. Bild: Picture-Alliance

Kräuterpillen und Teemischungen machten den Schweizer Priester Johann Künzle während der Spanischen Grippe zu einem reichen Mann. Die Fragen, die die Menschen damals bewegten, scheinen heute aktueller denn je.

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          Zwischen 1918 und 1920 wütete die „Spanische Grippe“. In drei Wellen kam sie über die Welt. An dem aggressiven Virus starben deutlich mehr Menschen als auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges. Die Mutter aller Pandemien soll fünfzig, vielleicht sogar hundert Millionen Tote gefordert haben. Eine kurative Therapie gab es ebenso wenig wie eine effektive Prävention. Allein in der kleinen Schweiz waren 25.000 Opfer zu beklagen. Doch die Gemeinde Wangs im St. Galler Oberland trotzte der globalen Seuche: Die Einwohner waren angeblich immunisiert, weil sie einen Tee aus Stechpalmenblättern, Schließgras- und Angelikawurzel, Wiesensalbei, Wasserhanf und Wermut tranken, den Johann Künzle verordnet hatte, ein Kräuterapostel in schwarzer Kutte und mit weißem Bart. Der katholische Pfarrer stand seiner Gemeinde im irdischen Jammertal nicht nur mit Fürbitten bei, sondern setzte seine goldene Taschenuhr als Pendel ein, um gesundheitliche Gebrechen aufzuspüren. War eine Krankheit diagnostiziert, verordnete er Tees und Pastillen, Salben und Badezusätze.

          Seine Anhänger verehrten den 1857 geborenen charismatischen Gottesmann als Wunderdoktor; die zünftige Medizin verurteilte ihn als Scharlatan. Der Erfolg sprach für ihn. Die Fragen, die damals die Gemüter bewegten, sind bis heute geblieben, und in der Corona-Krise scheinen sie aktueller denn je: In welchen Fällen ist die Phytotherapie hilfreich? Wie ist ihr Verhältnis zur Schulmedizin? Kann man Krankheiten durch Radiästhesie aufspüren? Sollen auch Nichtmediziner therapieren?

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