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Intellektuelle in der Pandemie : Dummheit bis zur Durchimpfung

An Sitzgelegenheiten fehlt es ebenso wenig wie an Argumenten. Wenn die Bewirtung untersagt bleibt, muss das die öffentliche Debatte nicht behindern. Auf dem Fischmarkt in Erfurt. Bild: dpa

Eine freiere Debatte über die Pandemiepolitik fordern vielgefragte Autoren von Meinungsartikeln in einem Manifest. Unfrei fühlen sie sich, weil ihre Kritik auf Kritik stößt. Das ist lächerlich.

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          Es fehlt an Impfdosen und Schnelltests, an Schulungsterminen für Hausärzte und Software für Terminverteilung, an Verdienstmöglichkeiten für Künstler und am Schutz vor Ansteckung im Altersheim, an Routine im Schulunterricht und am Mut zur Durchbrechung der Routine im föderalistischen Mehrebenensystem, an Wissen über die Eigenschaften der allerjüngsten Variante des Virus und an Geduld. An alldem fehlt es am Anfang des zweiten Jahres der Covid-19-Pandemie in Deutschland. Und woran fehlt es noch, was fehlt in dieser Liste der Fehlanzeigen?

          Es fehlt an Kritik: Das ist die These eines Textes, den die „Welt“ als „Das Manifest der offenen Gesellschaft“ gedruckt hat. „Die Intellektuellen Markus Gabriel, Ulrike Guérot, Jürgen Overhoff, Hedwig Richter und René Schlott fordern eine freiere Debatte über die Corona-Politik – und haben Prominente aus Wissenschaft, Politik und Kultur als Unterstützer gewonnen.“ Die Debatte ist also nicht frei genug. Wie wollen die „Intellektuellen“ – vier Professoren und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter – das belegen? Wurden rechtliche Beschränkungen der Debattierfreiheit verhängt? Nein, Artikel 5 des Grundgesetzes ist nicht gemeint, wenn der erste und mutmaßlich prominenteste der Unterstützer, deren Bekenntnisse das Manifest rahmen, der Schauspieler Jan Josef Liefers, schreibt: „Um Grundrechte dermaßen lange auszusetzen, bedarf es erstklassiger Gründe, die immer wieder der öffentlichen Gegenrede ausgesetzt werden und ihr standhalten müssen.“

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