Gesundheitsminister Jens Spahn beobachtet am Ostermontag wie eine Impfung im Impfzentrum Messe Berlin verabreicht wird. Bild: dpa
Ein leitender Arzt berichtet aus dem Alltag und vom bürokratischen Riesenaufwand im Impfzentrum einer deutschen Großstadtklinik, das er mit aufgebaut hat. Er möchte anonym bleiben.
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Als wir mit dem Impfen begonnen haben, waren die Vorgaben des Impfstoffherstellers – was Transport, Lagerung und Aufziehbedingungen betraf – sehr streng. Nach Entnahme aus dem Ultratiefkühler wurde der Impfstoff in einer Kühlbox in ein Pflegeheim transportiert. Zwei oder drei Sanitäter waren damit beschäftigt, den Impfstoff aufzuziehen. Dafür hatten sie vorher extra Lehrgänge absolviert. Wir mussten den Impfstoff, sobald die Spritze aufgezogen war, schnell verimpfen, und er sollte das Heim oder den Impfort danach nicht mehr verlassen. In den Heimen fehlten dann aber immer wieder mal die Einwilligungen der Angehörigen, manchmal mussten wir die Unterlagen noch an die Betreuer faxen, und die Unterschrift kam nicht zustande. Und da stellte sich uns die Frage, ob wir ohne Unterschrift impfen durften, wenn zum Beispiel eine Heimbewohnerin augenscheinlich noch einwilligungsfähig war. Oder ob wir den Impfstoff übrig lassen sollten?
An langen Tagen hatten wir durchaus einzelne Impfdosen übrig. Und in der ersten Phase war es kein Problem, pragmatisch zu entscheiden, dass man diesen Impfstoff einfach verwendet und vor Ort stattdessen jemanden, der zuvor nicht angemeldet war, impft. Das birgt immer das Risiko, dass Menschen in den Genuss des Impfstoffs kommen, die Grenzfälle der strikten Priorisierung waren. Und so wurde es dann schnell sehr streng, so dass es hieß: Wir haben im Pflegeheim fünf Spritzen übrig, die wir nirgendwo mehr hintransportieren dürfen, weil der Hersteller sagt, der Impfstoff sei nicht stabil genug; und im Heim finden wir keinen – also wurde die Kanüle abgemacht und der Impfstoff in den Mülleimer gespritzt.
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