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Impfen in Amerika : Dazu einen Hasch-Keks?

  • -Aktualisiert am

Auf die Plätze, impfen, los: Der amerikanische Präsident Joe Biden beim Besuch einer Impfstation in Alexandria, Virginia, Anfang April. Bild: dpa

Die Impfung gegen das Corona-Virus gibt es in den Vereinigten Staaten jetzt an jeder Ecke. Und nicht nur das. Wer sich impfen lässt, bekommt vieles gratis. Das treibt schöne Blüten.

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          Here you go“, sagt der junge Mann, der mir in der Apotheke des örtlichen Safeway-Supermarkts in Arizona soeben die erste Dosis des Pfizer/Biontech-Impfstoffs verabreicht hat, und hält mir einen Stapel Papiere hin.

          Darunter ist neben dem Papierkärtchen, das meine Impfung bescheinigt, und einer Broschüre über den Impfstoff auch ein Einkaufsgutschein. „Thanks for getting your Covid-19 vaccine“ steht darauf – als Dankeschön für die Impfung werden mir bei meinem nächsten Einkauf von bis zu zweihundert Dollar zehn Prozent Rabatt eingeräumt.

          Amerikanische Firmen überschlagen sich geradezu mit Impfanreizen. Eine Kinokette in Ohio spendiert Besuchern bis Ende April Gratis-Popcorn, und in einer Brauerei in Cleveland zahlen Geimpfte für ihr Bier bloß zehn Cent. In Michigan wartet auf Menschen über 21, die ihren Impfnachweis mitbringen, ein frisch gerollter Joint für lau, in Phoenix kann man einen Cannabis-Keks oder -Gummibären umsonst bekommen, wenn man sich hat pieksen lassen – beide Bundesstaaten erlauben den Freizeitgebrauch von Marihuana.

          Wer sich nicht aus gesundheitlichen Gründen oder aus Gemeinschaftssinn impfen lassen mag, so ist offenbar die Hoffnung, den kann vielleicht ein Gratis-Donut von Krispy Kreme überzeugen.

          Nahezu zweiundzwanzig Prozent der amerikanischen Bevölkerung sind der Seuchenschutzbehörde CDC zufolge inzwischen vollständig gegen Covid-19 geimpft, fast sechsunddreißig Prozent haben zumindest eine Dosis erhalten, und seit der letzten Märzwoche gibt es offiziell keine Impfstoffknappheit mehr. Spätestens am 19. April sollen sich Präsident Biden zufolge alle Amerikaner, die älter als achtzehn Jahre sind, impfen lassen können. In der Mehrzahl der Bundesstaaten (zu den Ausnahmen zählen Kalifornien, Massachusetts, New Jersey, Oregon und Hawaii) ist dies bereits der Fall.

          Aber jüngeren Umfragen zufolge lehnen fünfundzwanzig Prozent der Amerikaner eine Impfung ab, weitere fünf Prozent sind unentschlossen. Wenn das so bleibt, könnte das Virus weiter grassieren und mutieren – mit erheblichen Kosten für das amerikanische Gemeinwesen, wie der „Atlantic“ kürzlich vorrechnete.

          Also fahren jetzt Unternehmen, die ihre Belegschaften zu schützen und zum Normalbetrieb zurückzukehren hoffen, schwerere Geschütze auf. Eine Bank im amerikanischen Nordosten will ihren Angestellten fünfhundert Dollar für die Impfung zahlen, Konzerne wie Target, McDonald’s, Trader Joe’s und AT&T versprechen ihren Mitarbeitern Boni, Geschenke und bezahlte Urlaubstage. Das hat schon Debatten über Diskriminierung und verdeckte Zwangsmaßnahmen ausgelöst.

          Unterdessen geben die Impfanreize einer Industrie Auftrieb, die im Internet gefälschte oder Blanko-Impfkärtchen vertreibt, oft gleich im Multipack. Sie dürften bei Impfgegnern beliebt sein, die sich nicht von Veranstaltungen oder Reisen ausgeschlossen sehen wollen, wie das künftig der Fall sein könnte. Denn wer bloß ein Zuckergebäck umsonst will, für den lohnt sich der Kauf einer falschen Impfkarte kaum.

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