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Covid-Datenchaos : Verdacht von Lug und Trug

Vorbei mit kostenlos: Corona-Schnelltests kosten jetzt meistens etwas, wie viel, darüber herrscht Verwirrung. Bild: dpa

Die neuen Regeln für Corona-Schnelltests sind undurchdacht und voller Widersprüche. Auch vulnerable Gruppen werden entmutigt, sich testen zu lassen. Was taugt das Testwesen dann noch?

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          Doch, doch, es gibt sie: eine Sinnbehauptung der neuesten Testverordnung aus dem Bundesgesundheitsministerium. In ihr geht es nicht etwa nur darum, wer wie viel für einen Bürgertest zu zahlen hat und wer ihn unter welchen Bedingungen weiterhin kostenfrei nutzen darf. Es geht auch um die Frage, wer in der gegenwärtigen Phase der Pandemie überhaupt noch testfähig im Sinne Karl Lauterbachs ist.

          Unter „Zielsetzung“ heißt es dort: „Die Verhinderung der Ausbreitung von Infektionen in der Bevölkerung generell tritt gegenüber dem Schutz von vulnerablen Populationen zurück.“ Zu Letzteren gehören demnach Personen, die älter als sechzig Jahre sind oder aufgrund einer Vorerkrankung ein höheres Risiko aufweisen, schwer an Covid-19 zu erkranken.

          Nun sollen aber nicht etwa diese Personen in der Rationalität der Verordnung ohne Weiteres anspruchsberechtigt sein, befugt, sich „anlasslos“ testen zu lassen. Nein, selber über sechzig oder einschlägig vorerkrankt zu sein, kann nach der neuen Testverordnung nicht als Grund angegeben werden, sich als asymptomatische Person weiterhin testen zu lassen, schon gar nicht kostenfrei. Obwohl ein präventiver Test als Früherkennung einer eigenen Infizierung ja sinnvoll wäre, um anderen nicht zu schaden.

          Wie viele sind infiziert und wissen es nicht?

          Wie viele unter Ungeimpften wie Geimpften der vulnerablen Gruppen sind infiziert und ansteckend, ohne es zu wissen? Warum jetzt die Bereitschaft zum Testen entmutigen? Dennoch hat der Bundesgesundheitsminister das Testkriterium der Vulnerabilität für etliche Betroffene gleichsam ausgelagert. Es gilt für andere, nicht für einen selbst. In der Verordnung fällt es, was die erwähnten über Sechzigjährigen und Vorerkrankte betrifft, nur zur kritischen Beschreibung von Kontaktpersonen ins Gewicht und gerade nicht als Selbstbeschreibung der Testwilligen. Mit anderen Worten: Nicht wer im beschriebenen Sinne selbst vulnerabel ist, sondern wer zu solchen vulnerablen Personen absehbar Kontakt haben wird, darf sich (bei Zahlung von 3 Euro) testen lassen, auch wenn er selber symptomfrei ist.

          Es sind Sinnbehauptungen wie diese, die das Verständnis für einen ausrastenden Kassenärztechef wachsen lassen, der von Schnelltests als einer mittlerweile „völlig sinnfreien Veranstaltung“ spricht. Sinnfrei mutet auch die Methodik der Selbstauskunft an, mit der die auf Nachweise getrimmte Testsystematik nun arbeitet. Mit einem gewaltigen bürokratischen Aufwand wird die Nachweispflicht ins Zentrum gerückt. Und dann reicht es aus, für sich selbst zu sprechen.

          Hier wird die verdrängte Frage nach der Kontrolle symptombildend. Mit ihr gerät das Testwesen weiter unter den Verdacht von Lug und Trug und arbeitet dem soeben wieder erneuerten Befund einer katastrophalen Datenlage zu. Wer per Selbstauskunft beispielsweise bezeugt, am Testtag eine Veranstaltung in Innenräumen besuchen zu wollen und deshalb theoretisch überhaupt erst testberechtigt zu sein, der kann seine Selbstauskunft eigentlich auch mit den Füßen abgeben. Die Tatsache, dass jemand im Testcenter vorspricht, ist dann performative Selbstauskunft genug. Er braucht sie nicht in einem Formular zu wiederholen, dessen Nachweiskraft sich darin erschöpft, dass Papier geduldig ist.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

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