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Medien und Lockdown : Sind wir schon am Ende?

Kanzlerin im Krisenmodus: Angela Merkel erklärte heute im Bundestag die Corona-Beschlüsse. Bild: dpa

Der Lockdown zerrt an den Nerven. Doch ist das ein Grund, den Untergang zu beschwören? Für einige in der Journalismusblase offenbar schon.

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          Folgt man den Schlagzeilen der „Bild“-Zeitung, zeigt die Uhr in Deutschland seit knapp einem Jahr auf fünf nach zwölf. Es herrscht Chaos, nichts funktioniert, die Bundesregierung ist unfähig, die Kanzlerin vornweg, der Gesundheitsminister und der Wirtschaftsminister gleich hinterdrein, die Ministerpräsidenten folgen auf den Plätzen.

          Sie machen alles falsch, sie sind für alles verantwortlich. Sie haben die falschen Berater (Drosten), ergreifen die falschen Maßnahmen (Lockdown), treffen die falschen Entscheidungen (zu wenig Impfstoff geordert) und sind für das Leid eines jeden der rund 83 Millionen Menschen in diesem Land verantwortlich.

          Die „Bild“-Zeitung weiß es zwar auch nicht besser, aber sie weiß, dass es besser gehen muss. Wie, ist unerheblich. Bei der „Welt“ läuft das vom Tenor her so ähnlich, bei der „NZZ“ auch. Sie zeichnen ein eindeutiges Bild der Lage und ein eindeutiges Stimmungsbild.

          Das Dumme ist nur, dass die Stimmungsmache auch nach einem knappen Jahr nicht wirklich verfängt. Schaut man auf die Umfragen, liegen die Regierungsparteien bei Werten, die – noch? – nicht von großen Abwanderungen gekennzeichnet sind. Die SPD liegt bei mäßigen sechzehn, die Union aber bei den jüngsten Umfragen (etwa von Forsa) bei 35 Prozent. Das ist besser als ihr (mieses) Ergebnis bei der letzten Bundestagswahl und liegt erstaunliche acht Prozentpunkte höher als die Umfragewerte, welche CDU und CSU vor Beginn der Corona-Pandemie erzielten.

          Das, könnte man an dieser Stelle einwenden, muss an der lammfrommen Corona-Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und anderer Medien liegen, so wie es einige Kommunikationsforscher vor Monaten schon belegt zu haben glaubten. Doch scheitern diese mit ihrem Befund ebenso an der Realität wie der Covid-Chor von Springer.

          In der Corona-Krise ist nichts eindeutig und sonnenklar. Es wird auf Sicht gefahren, wie es Angela Merkel mit ihrer Vorliebe für scheinbare Alternativlosigkeit seit je behagt. Es passieren Fehler, sie werden benannt und von Journalisten aufs Tapet gebracht (dann und wann sogar im öffentlich-rechtlichen Rundfunk), in den Talkshows, die seit einem Jahr kein anderes Thema haben, herrscht Kakophonie.

          Die Stimmung wird gereizter, keine Frage. Die vom Lockdown besonders hart Betroffenen fordern zu Recht Perspektiven, die ihnen die Politik nicht geben kann. Der Druck steigt. Allerdings immer noch in Maßen, anders als bei bestimmten Stimmungsmachern, die einem in ihrem Habitus so vorkommen wie die vornehmlich linke journalistische Twitter-Blase in diesem Land, deren Reißleine kurz und die Bereitschaft zum nächsten Shitstorm-Cancel-Mobbing gegen Einzelne sehr ausgeprägt ist.

          Das eine wie das andere gab es auch schon vor dem Lockdown. Dessen Homeofficehaftigkeit hat die Temperatur am Stimmungsbarometer allerdings erhöht. Mit der großen Mehrheit der Menschen in diesem Land hat das erstaunlich wenig zu tun.

          Michael Hanfeld
          (miha.), Feuilleton

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