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Schutz durch die Corona-App : Bürger, teilt eure Daten!

  • -Aktualisiert am

Nutzwert ausbaufähig: Wie hilfreich die Corona-App ist, hängt von den Nutzern und dem Zugriff auf die Daten ab. Bild: dpa

Um die Pandemie zu bekämpfen, muss die Corona-App effektiver werden. Der Staat braucht mehr Zugriff auf Gesundheitsdaten. Mit dem Datenschutz wird ausgerechnet an dieser Stelle übertrieben.

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          Um Wirkung zu entfalten, muss die Corona-App robust aufgestellt sein. Immerhin, bis zum 21. Oktober wurde sie von mehr als zwanzig Millionen Deutschen heruntergeladen. Doch damit ist das Problem nicht gelöst, denn nur, wenn genügend Nutzer bereit sind, ihre Daten mit anderen zu teilen, kann sie mögliche Infektionsketten unterbrechen.

          Seit dem 1. September wurden laut Robert-Koch-Institut 25. 700 positive Testergebnisse ermittelt, doch nur sechzig Prozent haben sich dazu entschlossen, ihr positives Testergebnis mitzuteilen, um andere vor einer Ansteckung zu warnen. Das hat gewiss mehr mit Nachlässigkeit als mit Vorsatz zu tun, denn nach einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts ist die Akzeptanz seit Einführung unter den Nutzern gestiegen: Mehr als zwei Drittel finden, mit der App einen „wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten“, vierzig Prozent fühlen sich sicherer, seit sie die App installiert haben, nur zwölf Prozent fürchten eine Gefahr für ihre Privatsphäre.

          Doch gerade um den Datenschutz wurde seit Einführung der App heftig gerungen, bis man sich schließlich auf eine Variante verständigte, die sämtliche Daten verschlüsselt auf dem eigenen Smartphone hinterlegt, auf die weder das Robert-Koch-Institut noch Dritte Zugriff haben.

          Aber ist das aus heutiger Sicht überhaupt noch zeitgemäß? Wir stehen vor dem zweiten Shutdown. Von Montag an müssen Theater, Kinos und Restaurants ebenso schließen wie Zoos, Cafés und sogar Sportstätten für die Kleinsten, und gleichzeitig lassen wir ein so wichtiges Instrument zur Virus-Bekämpfung stumpf, aus Sorge, der Staat könnte Schindluder treiben mit unseren Daten?

          Jeden Tag aufs Neue überlassen wir höchst freiwillig sensible Informationen amerikanischen Digitalkonzernen, wenn wir im Netz auf Shoppingtour gehen, aber jetzt, da die Volkswirtschaft auf dem Spiel steht, wollen wir gerade mit jenen Auskünften geizen, die hilfreich wären, um das Virus und seine Wege besser zu verstehen, und die uns Möglichkeiten eröffnen würden, präziser darauf zu reagieren?

          Wenn ein ganzes Land aufs Neue für vier Wochen lahmgelegt wird, muss sich die Frage der Verhältnismäßigkeit zwangsläufig stellen, zumal die Gesundheitsämter angesichts der exponentiellen Virus-Kurve vielerorts ja schon kapituliert haben. Sie sind nicht mehr in der Lage, Infektionsketten zurückzuverfolgen. Würde man ihnen Zugriff auf die App-Daten gewähren, hätten sie hierzu ein schlagkräftiges Instrument zur Hand.

          Längst wird diskutiert, ob zur Infektionsbekämpfung der Polizei Zugang gewährt wird zu Privaträumen. Dann doch lieber ein temporärer Zugang zu Geo- und Kontaktdaten. Überhaupt fragt man sich, warum in diesen Krisenzeiten unsere analogen Freiheiten wie die Bewegungsfreiheit ganz schnell eingeschränkt werden konnte, während wir digital bislang relativ unberührt geblieben sind. Private Daten über die eigene Gesundheit und den eigenen Aufenthalt können ein wichtiger Baustein im Kampf gegen das Virus sein. Wenn wir diese Daten für einen gewissen Zeitraum zu teilen bereit sind, können wir das Wohlergehen aller schützen.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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