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CONTRA : Unerreicht und unerreichbar

  • -Aktualisiert am

Jessica Schwarz in „Romy” Bild: SWR/Hans-Joachim Pfeiffer

Der Film „Romy“ ist keine Annäherung an das, was Romy Schneider so besonders gemacht hat. Und das liegt einfach an Romy Schneider, deren Geheimnis wohl eher ihre Ausstrahlung war und nicht die Umstände ihres Lebens.

          Ein kleines Haarbürzel haben sie Jessica Schwarz oben an die Stirn geklebt, um die Ähnlichkeit zu Romy Schneider zu erhöhen. Die hatte nämlich erstens eine sehr hohe Stirn und zweitens einen Haaransatz, der ein kleines bisschen in die Stirn hineinragte, das also hat man Jessica Schwarz als Maske mitgegeben, ansonsten war sie auf sich alleine gestellt. Warum, fragt man sich, der Aufwand mit dem Bürzel? Was ist mit der Nase? Dem Hals? Dem Gang? Und der Stimme? Diese unverwechselbare Romy-Schneider-Stimme, der etwas so mädchenhaft Unschuldiges innewohnte, bis der französische Regisseur Claude Sautet ihr riet, doch etwas tiefer zu sprechen. Jessica Schwarz' Stimme ist dunkel und rauchig, und bis auf eine leicht österreichisch angehauchte Färbung versucht sie auch gar nicht erst, wie Romy Schneider zu sprechen. Was wohl das Klügste ist, was diese Schauspielerin tun konnte, die seit ihren Filmen mit Dominik Graf zu Recht zu den besten unseres Landes zählt. Aber ob es so klug war, diesen Film überhaupt zu drehen?

          Es dauert etwa achtzig Minuten, bis man die Überraschung überwunden hat, Jessica Schwarz in allen möglichen Situationen zu sehen, die man eher Romy Schneider zugeordnet hätte. Ach, sieh an, denkt man, Jessica Schwarz war auch mit Alain Delon zusammen? Ach, guck mal, Jessica Schwarz hat auch unter Visconti Theater gespielt? Darunter gelitten, in Deutschland immer nur als „Sissi“ wahrgenommen zu werden? Den Schauspieler Wolf Albach-Retty zum Vater gehabt? Man sieht einen Film über das Leben von Romy Schneider und kann weit über die Hälfte keine Sekunde lang vergessen, dass man hier Jessica Schwarz vor sich sieht, Haarbürzel hin oder her. Das ist ein Problem. Es ist ein Problem, das alle Filme haben, die das Leben berühmter Filmschauspieler zum Thema haben: Man kennt das Vorbild vom selben Medium, von bewegten Bildern - das ist so, als würde der Geiger Nikolaj Znaider plötzlich eine Platte veröffentlichen, auf der er so zu spielen versucht wie Yehudi Menuhin.

          In schönen Bildern nacherzählt

          Hinzu kommt, dass die Biographien berühmter Schauspieler meistens so hinreichend bekannt sind, dass ein Film nur den wenigsten noch irgendetwas Neues erzählen kann. Wer hätte etwa noch nie gehört, dass Romy Schneider ihr Leben lang darunter litt, in Deutschland nicht als ernsthafte Schauspielerin wahrgenommen zu werden und gute, erwachsene Rollen nur in Frankreich spielen zu dürfen? Wer wüsste nicht von den tragischen Schicksalsschlägen ihres Lebens: von ihrem Selbstmordversuch, nachdem Alain Delon sie verließ; vom Selbstmord ihres geschiedenen Mannes, Harry Meyen; vom tragischen Tod ihres gemeinsamen Sohnes David, der beim Versuch, über einen Zaun zu klettern, stürzte und ums Leben kam. Auch dass sich Paparazzi als Krankenpfleger verkleidet Zugang in das Krankenhaus verschafften und den toten Sohn fotografierten, ist bekannt. All das erzählt der Film „Romy“ nun in schönen Bildern noch einmal nach.

          Warum?

          Jedes Jahr erscheint mindestens ein neuer Bildband mit angeblich privaten Fotografien, auf denen man Romy Schneider mit ihren Kindern spielen sehen kann. Oder nackt. Oder angezogen. Oder traurig. Oder ausgelassen. Oder mit Ballonmütze. Oder ohne. Bestimmt tausend Mal haben wir ihre handschriftlichen Zeugnisse rotweingeschwängerter Nächte irgendwo abgedruckt gesehen, Zettelchen und Briefe, die sie in die ganze Welt verschickte, aus denen ein ungeheurer Lebenshunger spricht und die verzweifelte Sehnsucht danach, ernst genommen und verstanden zu werden. Na gut, man kann es auch so sehen, ein Film über sie schadet da auch nicht weiter, ein Glück nur, dass es nicht zwei wurden, es war ja auch ein Projekt mit Yvonne Catterfeld geplant, das dann aus irgendwelchen Gründen nicht zustande kam.

          Wie ein Abhaken von Wikipedia-Einträgen

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