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Computerjahr 2010 : Die Zukunft, die nicht geschehen ist

  • -Aktualisiert am

Prognosen gibt es viele, wenn es um die Zukunft des Computers und des Internets geht. Aus der Vielzahl der Vorhersagen ragt eine Arbeit des Computerherstellers IBM aus dem Jahr 1987 heraus. Zehn Thesen für 2010 wagte man dort, die sich als erstaunlich hellsichtig erweisen.

          Ein neues Jahr ist da, begleitet von vielen Prognosen, was alles passieren wird. Besonders die Informations- und Telekommunikationsbranche ist verliebt in ihre Prognostik - und liefert gerade deshalb laufend besonders kümmerliche Vorhersagen ab.

          Weil der große Trend klar ist - alles wird vernetzt und konvergiert ins große Intergoogle - prognostiziert man gerne Petitessen wie die Tatsache, dass Anwendungen auf telefonierenden Kleincomputern wichtig werden. Das Jahr 2010 wird so das Jahr der „Äpps“ und Mutmaßungen über Mark Zuckerberg (Facebook) lösen die des Vorjahres über Steve Jobs (Apple) ab. Damit könnte dieser Artikel zu Ende sein - gäbe es nicht Prognosen, die ein interessantes Licht auf das Jahr 2010 werfen. Vor dreiundzwanzig Jahre dachte man radikaler darüber nach, was sich in fernerer Zukunft abspielen könnte: „Bis zum Jahre 2010 wird der Computer ein weit verbreitetes Werkzeug sein. Der Mensch hat sich daran gewöhnt, dass der Computer nützlich ist, aber auch daran, dass ihm der Computer in vielen Bereichen überlegen ist, und dass man nicht mehr auf ihn verzichten kann und will. Typisch für heute ist, dass wir keinerlei Gefühl dafür haben, welche Bereiche dies sein werden.“

          Dem Weltkonzern untertan

          Wir wissen, dass der Computer überall sein wird, haben aber keine Ahnung, in welchen Bereichen er uns überlegen sein soll. Wird er die Kultur, die Wirtschaft, die Bildung verändern? Dieser bemerkenswerte Klartext wurde im Jahre 1987 ausgerechnet bei IBM formuliert. Es war das Jahr, als eine Firma namens Mobira mit einem Cityman genannten Funktelefon einen riesigen Erfolg erzielte und sich den Namen der Mutterfirma Nokia zulegte. Es war das Jahr, als der Boom der „Personalcomputer“ seinen ersten Höhepunkt erreichte.

          In diesem Jahr 1987 machte sich IBM daran, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, als man den ersten IBM-PC mit einer Technik auf den Markt warf, die jeder kopieren konnte. Aus diesem PC-Markt mit seinen vielen „Startups“ sollte eine geschlossene Plattform entstehen, die allein dem Weltkonzern untertan wäre. IBM lancierte 1987 eine PS/2 genannte Rechnerfamilie mit einer neuen, kostenpflichtigen Architektur namens „Microchannel“ und einem eigenen Betriebssystem namens OS/2.

          Selbstbewusst feierte IBM obendrein den siebzigsten Geburtstag des Namens IBM (International Business Machines). Er wurde 1917 für die Auslandsfirmen der von Hermann Hollerith im Jahre 1896 gegründeten Tabulating Machine Company geschaffen.

          Kafkas Schloss, gelutzt

          Die deutsche Niederlassung von IBM beteiligte sich an den Feiern auf ihre ganz spezielle Weise. Sie ließ von ihren Chefdenkern eine Studie erstellen. Wie könnte die Nutzung von Computern im Jahre 2010 aussehen, wenn IBM Deutschland seinen hundertsten Geburtstag feiert? Denn 1910 wurde die Dehomag, die „Deutsche Hollerith Maschinen-Gesellschaft“ gegründet, die allerdings erst 1949, nach durchaus erfolgreichen Geschäften mit den nationalsozialistischen Machthabern als „Internationale Büro Maschinen-Gesellschaft mbH“ firmierte.

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