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Computerjahr 2010 : Die Zukunft, die nicht geschehen ist

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Diebische Freude kommt gemeinhin auf, wenn der Flop genannt wird, der Moment, an dem eine Prognose komplett lächerlich gemacht werden kann, weil sie so hoffnungslos daneben liegt. Das bekannteste Beispiel dieser Art ist der intelligente Kühlschrank, der im intelligenten Haus automatisch frische Milch ordert - ein Szenario, das erstmals 1939 auf der Weltausstellung in New York vorgestellt und auf 1950 datiert wurde, wie der Computerwissenschaftler und KI-Forscher David Gelernter ermittelte. In unserem Fall ist es These neun, die Bestürzung produziert: „Auch im Jahre 2010 wird die aufgeklärte und demokratische Gesellschaft ihre spezifischen Ängste haben, aber sie werden wenig mit dem Computer zu tun haben. Themen wie 'Angst vor Überwachung', 'Jobkiller', 'Datenschutz' u.a. werden nicht mehr im Zusammenhang mit dem Computer gesehen. Datenschutz wird als Bürgerrecht akzeptiert und respektiert sein.“ Diese offensive, sehr optimistische These lässt uns heute ratlos zurück.

Mehr als eine Filiale des Gerhirns

Der Datenschutz als Bürgerrecht ist in den vergangenen Jahren immer wieder missachtet worden. Aufwachsende haben auf der Schule nicht gelernt, wie sie sich in „sozialen Netzwerken“ schützen können, die Datenagglomeration im großen Stil betreiben. Firmen spionieren immer ungenierter ihren Mitarbeitern hinterher, wie die Datenskandale des Jahres 2009 zeigen.

Der Optimismus des Jahres 1987 ist nachhaltig vom „Volkszählungsurteil“ des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahre 1983 geprägt worden. Das Gericht definierte damals das „informationelle Selbstbestimmungsrecht“ als Recht des Bürgers auf Datenlöschung. Mit einem freien Bürger „wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß“, befand das Gericht. Die Zuversicht der IBM-Prognose speist sich aus diesem Urteil - und kollidiert frontal mit der Realität anno 2010. In ihrem Blog „Kooptech“ hat die Journalistin Christiane Schulzki-Haddouti kürzlich ein deprimierendes Fazit der aktuellen Entwicklung gezogen und von einem „verlorenen, katastrophalen Jahrzehnt des Datenschutzes“ gesprochen (siehe Der Datenschutz und das verlorene Jahrzehnt).

In der letzten und längsten These rechnet die IBM-Studie der Forscher um Theo Lutz mit der „Künstlichen Intelligenz“ ab, einem Zweig der Computerwissenschaften/Informatik, der in den siebziger und achtziger Jahren Unsummen verschlang und heute noch gelegentlich als Wunderwaffe gegen überkomplexe Probleme ins Feld geführt wird. Bei IBM sah man das anders: Wir werden überall Computer haben, wir mögen keine Ahnung haben, wo sie uns überlegen sind, aber die große Symbiose von Mensch und Computer, die können wir getrost vergessen.

„Bis zum Jahre 2010 wird sich ein gewisses Verständnis dafür entwickelt haben, ob der Computer mehr ist als nur eine Filiale des Gehirns oder ein Intelligenzverstärker. Alles spricht dafür, dass Begriffe wie ,Künstliche Intelligenz' bis zum Jahre 2010 stark relativiert und auf ihren rein technischen, werkzeughaften Sinn reduziert sind. Eine Symbiose zwischen dem biologischen Gehirn und dem technischen Computer bleibt eine Fiktion.“

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