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Comic : The Picture of Dorian Duck: Alte Helden im Comic

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Das letzte Geheimnis der Pyramide: Blake et Mortimer von Didier Convard und André Juillard Bild: Editions Dargaux, Paris

Batman muss mit 62 in Rente gehen, obwohl er im Dienst der Superhelden-Comics gar nicht alterte. Comic-Helden werden mit den Jahren höchstens jünger.

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          Der „dunkle Ritter“ Batman ist von der deutschen Comic-Bühne abgetreten. Nachdem Carlsen und Ehapa schon im vergangenen Jahr die Serien einstellten, zieht nun auch der Dino-Verlag den Superhelden aus dem Verkehr. Eine gewisse Müdigkeit war dem Leseverhalten der Fans schon länger anzumerken, nicht aber der Figur. Bis zum letzten Heft zeigte Batman in seinen Aktionen noch so viel Energie 1939 beim Debüt der Serie von Robert Kane. Er war sogar eher noch munterer. Das ist ein Vorrecht, das Comic-Helden ihren Kollegen aus Film und Fernsehen voraus haben.

          Während James Bond immer wieder ausgetauscht werden muss, weil der jeweilige Hauptdarsteller aus Altersgründen nicht mehr überzeugt, bleiben im Comic die meisten Helden alterslos. Das machte zum Beispiel Bankier Duck in den 50er Jahren seinen Neffen vor: 1947 trat Scrooge McDuck in „Christmas on Bear Mountain“ als misepetriger Knauser auf. Zehn Jahre später tanzt er dann in „City of Golden Roofs“ einen flotten Rock n' Roll und schmeißt seine Fersen in Luft, dass die Gamaschen nur so wackeln.

          Die Figuren werden eben höchstens jünger als zuvor. Einige Serien machen das sogar explizit: „Superboy“, „Lucky Kid“ oder die Biographie des kleinen Scrooge McDuck heißen die Hefte, welche die Zeit zurückdrehen in die Jugend der Helden.

          Das Dorian-Duck-Prinzip

          Carl Barks, Schöpfer von Scrooge McDuck, hatte diese Entwicklung im Griff. Sein alter Erpel wurde vielleicht agiler, blieb sich aber treu. Bei anderen Comic-Figuren häuften sich mit den Jahren aber die Anachronismen. Wie Oscar Wildes Dorian Gray scheinen sie zwar ewig jung. Aber ihrem Gesamtbild setzen die Sünden neuer Geschichten trotzdem zu.

          Da vergessen gallische Krieger mit der Zeit schon mal ihr Geburtsdatum und feiern einfach bei ihrem dicksten Freund mit. Einsame Cowboys erkennen einen Schriftsteller nicht wieder, dem sie 25 Bände zuvor schon einmal begegnet sind. Solche Fehler fallen besonders dann auf, wenn die jeweilige Serie durchgehend von einem Autor geschrieben und gezeichnet wurde - wie eben bei „Asterix“ und „Lucky Luke“.

          Die Patzer demonstrieren, wie der Wunsch nach Unsterblichkeit der Figuren an der Sterblichkeit ihrer Schöpfer scheitert. Wenn ein Künstler sich mit der Zeit an seiner eigenen Serie übernimmt, schadet er dem Werk nur. Anders bei Hergés „Tim und Struppi“ oder Franquins „Gaston Lagaffe“: Diese Serien sind auch deshalb zu - weltweit populären - Klassikern der Neunten Kunst geworden, weil sie nach dem Tod ihrer Autoren nicht weitergeführt wurden und als in sich konsequentes Werk bestehen blieben.

          So jung wie die Leser

          Die Figuren gerade im Bereich der Funnies, Semi-Funnies und Superhelden nicht altern zu lassen, ist ein Stilmittel, das sich auch aus der Zielgruppe dieser Comics erklärt. Weil sich die meisten Serien an Kinder und Jugendliche wenden, soll es keine allzu auffällige Chronologie zwischen den Bänden geben. So kann ein neuer Leser auch Jahre nach dem ersten Band mit dem neuesten Album oder Comic Book in die Handlung einsteigen, um sich nach und nach das gesamte Universum von Entenhausen, Champignac oder Gotham City zu erschließen.

          Dieses Phänomen teilen die Comics mit anderen populären Gattungen wie dem Detektivroman. Und die Tatsache, dass die Helden jung bleiben, schmälert die Qualität der Geschichten kein bißchen. Aber hier wie dort gilt: Die besseren Serien sind meist in einer Hand geblieben. Auch in Amerika, wo die Heft-Serien selten den Anspruch erhoben, Autoren-Comics zu sein. Hier setzten sich Zeichner wie Carl Barks (mit seinen Enten) oder Frank Miller (mit „The Dark Knight Returns“) gegenüber der Massenproduktion für die jeweilige Serie ab.

          Endlichkeit

          Mittlerweile dürfen wenigstens die Helden der francobelgischen Comics alt werden: Didier Convard und André Juillard zeigen in ihrer Serie „le dernier chapitre“ - stilistisch angesidelt zwischen Comic und Briefroman -, wie die Legenden der „bandes dessinées“ ihren Lebensabend verbringen. Da klären zum Beispiel Blake und Mortimer als weißhaarige Gentlemen, endlich das letzte Geheimnis der Pyramiden.

          In Würde alt geworden.

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