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Klassiker der Comic-Literatur : Literatur in Bildern: Tarzan

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Nie war man mit solcher Genugtuung Richter: Burne Hogarth und Joe Kubert kämpfen um die ästhetische Herrschaft über Tarzan und lassen dem Dschungelfürsten all ihre Fähigkeiten zukommen.

          Er starb in einem fremden Land, in Paris, auf der Rückreise vom Comicfestival in Angouleme, dem größten Jahresereignis, das die in Frankreich fest als kulturelle Größe etablierte Comic-Szene ausrichtet.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Burne Hogarth war dort wieder einmal gefeiert worden für die unglaubliche Leistung, die er mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor mit Tarzan begonnen hatte. Die Begeisterung für eine Legende der Comic-Geschichte war weitaus größer, als man es in Amerika kennt, wo sich neben den Superhelden-Zeichnern nur wenige Künstler allgemeiner Popularität erfreuen. Selten so geehrt worden, konnte Hogarth sich sagen, doch sein Herz hielt der Freude darüber nicht stand. In Paris, vor dem Rückflug in die Vereinigten Staaten, ereilte den Vierundachtzigjährigen ein Infarkt.

          Seine eigene Lehranstalt

          Mit Hogarth starb einer der streitsüchtigsten Comic-Zeichner, einer, der sein eigenes Metier immer nur als Mittel zur Durchsetzung guter Graphik und nicht als eigenständigen Wert betrachtet hatte. Comics waren für ihn Teil der Kunstgeschichte, und den größten Teil der Bildergeschichtenproduktion verachtete er ohnehin als minderwertig. Damit hatte er recht. Deshalb war er 1947 auch angetreten, diesen Zustand zu verändern. Er gründete seine eigene Lehranstalt: die Cartoonists and Illustrators School.

          Der Zulauf war gewaltig. Denn Hogarth stand auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Zwei Jahre zuvor hatte er sogar leichten Herzens die Serie aufgeben können, die ihn bekanntgemacht hatte: Tarzan. Er spürte, daß seine eigene Virtuosität mittlerweile wichtiger für das Gedeihen des Strips war als dessen Held. Doch noch einmal lockte man ihn zur wöchentlichen Fron ans Zeichenbrett zurück, räumte dem eigensinnigen und empfindlichen Künstler alle Freiheiten bei der Konzeption der Geschichten ein, ließ ihn gar selbst die Abenteuer schreiben, und so wurden die gewaltigen „Tarzan“-Sonntagsseiten, die in den vergangenen zwei Jahren die Signatur eines gewissen „Rubimor“ (das stand für Ruben Moreira) getragen hatten, wieder zu jenen optischen Extravaganzen, die die Liebhaber so begeisterten, seit Hogarth am 9. Mai 1937 die schwere Aufgabe übernommen hatte, das Erbe Harold Fosters fortzuführen, der aus ähnlichem Grund wie später sein Nachfolger „Tarzan“ den Rücken gekehrt und „Prinz Eisenherz“ ins Leben gerufen hatte.

          Tarzan das Fliegen lehren

          Ohne Fosters Vorarbeit wäre Hogarths Karriere undenkbar gewesen, denn er erhielt als Spielfeld für seine graphische Phantasie just jene Comic-Serie, die dafür am meisten Platz bot. Foster hatte als gelernter Werbegraphiker und Bewunderer der Illustratoren des späten neunzehnten Jahrhunderts nie etwas für Sprechblasen übrig gehabt, und gerade sein Verzicht auf dieses comictypische Element hatte wiederum den „Tarzan“-Erfinder Edgar Rice Burroughs begeistert, der in den schlichten Textzeilen, die Foster seinen Zeichnungen beigab, eine adäquate Fortführung seiner literarischen Vorlage zu erkennen glaubte. Deshalb hätte Hogarth auch an diesem Unikum der Comic-Geschichte gar nichts ändern können, selbst wenn er es gewollt hätte. Doch er war froh darüber, keine Rücksichten nehmen zu müssen, denn so blieb ihm Platz dafür, das zu tun, was er am besten konnte: Tarzan das Fliegen zu lehren, das Drehen, das Springen, das Dehnen. Gegen diesen Fürsten der Leibesertüchtigung und des Körperkults sah Fosters Figur aus wie ein lustfeindlicher Kohlrabiapostel.

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