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Klassiker der Comic-Literatur : Die Geistesblitzableiter - Dilbert

Bild: Abbildung aus dem vorgestellten Band

Scott Adams zeichnet mit seinem Comic strip „Dilbert“ ein Plädoyer für die Massenangestelltenhaltung. Dilbert ist Ingenieur - und viel mehr wäre eigentlich über ihn nicht zu sagen.

          Dilbert wird nicht poetisch. Er macht sich keinen Reim auf seinen Beruf. Dem Ingeniör ist nichts zu schwör? Den Wahlspruch des Entenhausener Diplom-Ingenieurs Düsentrieb kennt der amerikanische Kollege nicht, da er sich nur bei Erika Fuchs findet, in der deutschen Übersetzung der Comic-Geschichten von Carl Barks. Düsentrieb gibt der Lage der technischen Intelligenz gestischen, mimischen und bei Fuchs auch sprichwörtlichen Ausdruck, die er mit Dilbert teilt. Daß der Erfinder ein verkanntes Genie ist, deuten bei Düsentriebs erstem längeren Auftritt im Juni 1952 (deutsch in "Mickymaus", Heft 1 von 1953) die Zeichen des Außenseiterstatus an, insbesondere die ungekämmten Haare, wie sie auch auf Künstlerköpfen wuchern.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Dilbert würde sich nie die Haare raufen oder gar ausreißen. Seine Arme sind zu kurz, als daß er sich tastend der Ausmaße seines Hirnkastens versichern könnte. Sein Kopf hat Zylinderform und wirkt etwas zu groß, wie ein Baustein einer ausrangierten Computergeneration. Auf der Schädeldecke wächst eine Reihe von Haarkringeln, Chiffre der Erinnerung daran, daß auch Dilbert ein Jüngling in lockigem Haar war. In den Augen seiner Mitbürger scheint der Hochschulabsolvent Düsentrieb sich wie ein Kind zu benehmen, ein senex puerilis. Er kann einfach nicht stillhalten, heftige Spotzlaute spuckt sein neuer Lieferwagen aus, wenn er um die Ecke hopst.

          Dilbert ist seiner Zeit voraus

          Doch der vermeintliche Kindskopf ist seiner Zeit voraus. Keine Ölkrise wird ihn daran hindern, seinen Kunden die neuesten Produkte der Erfinderwerkstatt zuzustellen: Der Wagen wird von Feuerwerkskörpern angetrieben, von denen allerdings fünfzig auf hundert Kilometer benötigt werden. Zu einer Senkung des Verbrauchs kam es nicht mehr, weil der Konstrukteur den Prototyp gegen einen Baum rasen ließ. Gerade an dieser Unfallstelle zeigte sich freilich Düsentriebs Genialität: Die Verschrottung setzte die für andere Projekte dringend benötigte Zeit frei. Besser, es platzte das Raketenauto als seine Karriere als Ingenieur. So integrierte er die Selbstüberholung der Technik in den Entwicklungsprozeß, der selbst in der Art eines Feuerwerks über die Bühne geht.

          Dilbert übt seinen Beruf in einer Zeit aus, da Düsentriebs Entdeckung, daß die Optimierung der Produktentwicklung aus der Sicht des Produzenten nicht optimal ist, die Strategie großer Konzerne bestimmt. Keinen Staubsauger kann man heute noch nach der Devise "Selbst ist der Mann" reparieren, indem man die Schaufeln mit der Hand wieder in Stromlinienform bringt, und Computerprogramme mit Sollzusammenbruchstellen geben den Nutzern Rätsel auf, die das nächste Update löst. Dilbert ist zur Arbeit in einer Firma verdammt, die einen Perfektionisten wie ihn gar nicht gebrauchen kann. Carl Barks, der Künstler mit der unverwechselbaren Handschrift, der auf Dauer nicht unter Menschen arbeiten wollte, stellte sich den Genius als einen unaufhaltsamen Bahnbrecher vor. Scott Adams, den im Büro die Frage heimsuchte, warum er eigentlich soviel freie Zeit zum Zeichnen hatte, wußte, daß der verhinderte Problemlöser nie allein ist. Wozu hat man den Kollegen im Nachbarzimmer? Als Geistesblitzableiter.

          Ein Durchbruch genügt

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