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Klassiker der Comic-Literatur : Das Millionenspiel um einen Helden

Das dreisteste Geschäft der Comic-Geschichte: Superman Bild:

Wie der Mann von morgen zum Mann aus Stahl wurde: Superman ist der Gründervater eines ganzen Genres. Und die Serie eine Chronik der Jugendkultur.

          Das Linsengericht der Comic-Geschichte ist auf der Speisekarte mit 130 Dollar ausgewiesen. Für diese Summe verkauften die beiden damals vierundzwanzigjährigen Comic-Autoren Jerry Siegel und Joe Shuster dem New Yorker Verlag Detective Comics im Jahr 1938 ihren Superman. Das wußten sie vielleicht nicht einmal. Aber in dem Vertrag, der ihnen für ihre erste Geschichte zehn Dollar pro Seite garantierte, war auch die Abtretung der Autorenrechte geregelt.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Damals gab es überhaupt nur eine Comicserie, die sich im Besitz ihres Autors befand: „Prinz Eisenherz“ von Harold Foster. Und „Tarzan“ war Eigentum von Edgar Rice Burroughs, aber der kümmerte sich als Schriftsteller nicht um die Comicreihe mit seinem Dschungelhelden. Der Kauf von Superman jedenfalls gilt als das dreisteste und beste Geschäft, das in der mehr als hundertjährigen Comic-Geschichte abgewickelt wurde. Denn eine größere Sensation sollte nicht mehr kommen.

          Zehn Dollar die Seite: Dabei blieb es

          Dabei waren zehn Dollar pro Comic-Seite 1938 eine exzellente Entlohnung. In dem Studio, das Siegels und Shusters ungleich geschickterer (und noch jüngerer) Kollege Will Eisner zu dieser Zeit betrieb, waren Saläre von sechzig oder siebzig Dollar im Monat für die dort angestellten Zeichner üblich. Und es blieb für die beiden jungen Superman-Erfinder aus Cleveland auch nicht bei der einmaligen Einnahme, sondern sie bekamen von Detective Comics einen Zehnjahresvertrag, der ihnen auch für jede weitere Superman-Seite, die sie in dieser Frist ablieferten, zehn Dollar garantierte. Das beweist die natürliche Überlegenheit des Dezimalsystems. Darüber hinaus sollten beide Schöpfer prozentual an den Lizenzeinnahmen beteiligt werden, die bei der Vermarktung der Figur erzielt würden.

          Sie wurden erzielt, und zwar reichlich. Drei Jahre später setzte Detective Comics 2,6 Millionen Dollar im Jahr um, der größte Teil davon entfiel auf die Superman-Hefte und die Lizenzgebühren von jenen Firmen, die die Popularität von Superman für ihre Produkte nutzen wollten. Aber Siegel und Shuster bekamen keinen Cent mehr als ihre festgeschriebenen Seitenhonorare. Auch die summierten sich zu erklecklichen Summen. In einem Land, das die Wirtschaftskrise erst in den vierziger Jahren endgültig überwinden sollte, gehörten sie zu den Großverdienern. Immerhin beschäftigten sie bereits selbst mehrere Zeichner, um den Bedarf an neuen Superman-Abenteuern überhaupt decken zu können.

          Siegel schrieb weiterhin die Geschichten, und Shuster zeichnete sie, solange der Bedarf an neuem Material noch durch einen einzigen Zeichner zu befriedigen war. Danach übernahm er die künstlerische Leitung des Studios, also vor allem die Qualitätskontrolle. Aber immer noch enthielt dem Vertrag gemäß jede Geschichte als einzige Autorennennung die Namen der beiden Erfinder.

          Auch als Radioheld Startschwierigkeiten

          Als Siegel sich 1941 beschwerte, wo denn die versprochene Gewinnbeteiligung bleibe - gerade hatte man die Zeichentrickrechte für hunderttausend Dollar verkauft -, hieß es seitens des Verlags, man mache keine Gewinne mit Superman. Diese Behauptung muß man nicht ernst nehmen, und Siegel gab auch nur deshalb Ruhe, weil Detective Comics eine einmalige Prämie von fünfhundert Dollar zahlte.

          Kino und vor allem Radio steigerten die Bekanntheit der Figur noch weit über den Leserkreis der Comics hinaus. Dabei war gerade der Rundfunk-Superman ebenso skeptisch beurteilt worden wie seine ersten Comics, für die Siegel und Shuster jahrelang nach Abnehmern gesucht hatten. Ein Haferbrei-Fabrikant ließ sich schließlich 1940 als Sponsor für die Radiosendung gewinnen und kaufte kurzerhand Sendezeit, um die kurzen Hörspiele ausstrahlen zu lassen. Die Hörer waren begeistert. Binnen kurzem war mit Kellogg's der wichtigste Hersteller von Kindernahrung als Werbepartner gewonnen, und die Sender rissen sich um das Recht, die Serie auszustrahlen.

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