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Klassiker der Comic-Literatur : Das Millionenspiel um einen Helden

Das war nicht nur der eigentliche Durchbruch für Superman als Massenphänomen, sondern auch der Anfang vom Ende für Siegel und Shuster. Denn für die Radiosendungen wurden eigene Autoren beschäftigt, und sie führten eine Vielzahl von neuen Figuren ein, darunter Jimmy Olsen und Perry White, die Redaktionskollegen von Clark Kent. Wichtiger noch: Plötzlich konnte Superman fliegen. Siegel und Shuster hatten ihn immer nur große Sprünge machen lassen, weil seine Superkräfte durch die anderen physikalischen Bedingungen erklärt wurden, die der auf Krypton geborene Held auf der Erde vorfand. Röntgenblick, Supergehör, entkräftendes Kryptonit - all diese Klassiker des Mythos von Superman sind aus den Radiosendungen in die Comics gewandert.

Siegel und Shuster galten deshalb beim Verlag bald als entbehrlich. Dabei war es Siegel gewesen, der zuerst die Idee zu einer Substanz hatte, die Superman seiner Kräfte berauben würde. Damit wollte er aus dem prinzipiellen Problem der Figur, daß sie qua Definition allen anderen Lebewesen überlegen war, wieder eine Stärke machen: Was für eine Vorstellung - ein Superman als Waschlappen. K-Metall hätte die Substanz heißen sollen, und Siegel stellte sie sich als Überbleibsel des zerstörten Krypton vor. Doch sein Manuskript wurde abgelehnt - und wie durch einen Zufall wurde Kryptonit dann kurz darauf im Radio eingeführt. In die Comics sollte es tatsächlich erst Jahre später Einzug halten.

Wie die Erfinder entbehrlich wurden

Als Jerry Siegel im Jahr 1943 zum Militärdienst eingezogen wurde - Shuster blieb seiner Kurzsichtigkeit wegen verschont -, merkte Detective Comics erst recht, wie leicht die Erfinder von „Superman“ zu ersetzen waren. Nach seiner Rückkehr 1945 nahm Siegel die Publikation einer neuen Heftserie namens „Superboy“, die über die Jugenderlebnisse von Superman berichtete, zum Anlaß, den Verlag zu verklagen, weil man ihn und Shuster nicht darüber informiert habe. Leider hatte er selbst die Idee dazu gehabt, und die Zeichnungen waren unter Shusters Aufsicht in ihrem gemeinsamen Studio entstanden, so daß die Klage auf wackligen Beinen stand. Das hielt Siegel nicht ab: Er beanspruchte die Zahlung von fünf Millionen Dollar, die ihm und Shuster über die letzten Jahre an vorenthaltenen Lizenzgewinnen zustünden. Doch in dieser Sache standen, wie der Comic-Historiker Gerard Jones es formuliert hat, Zeichner gegen Buchhalter.

Daß die Buchhalter gewonnen haben, wird keinen überraschen. Zumal ja alle Rechte tatsächlich beim Verlag lagen. Immerhin stellte das Gericht 1948 fest, daß die Publikation von „Superboy“ die beiden Erfinder benachteiligt habe. Die beiden Parteien einigten sich außergerichtlich: Detective Comics zahlte Siegel und Shuster hunderttausend Dollar und war fortan nicht einmal mehr verpflichtet, die Namen der beiden zu nennen. Natürlich erhielten sie auch keine Aufträge mehr.

Nach Leserprotesten keine Toten mehr

Es ist interessant, zu mutmaßen, was aus Superman geworden wäre, hätte Jerry Siegel sich weiterhin seiner annehmen können. Der Szenarist hatte eine tiefe Neigung zum Komödiantischen. Prankster und Toyman waren seine Erfindung - zwei Superschurken, die eher als Lachnummern denn als ernste Herausforderungen für Superman zu gelten hatten. Auch Mr. Mxyzptlk, ein Wesen aus der fünften Dimension, das den Erdenbewohnern wie ein Zauberer vorkam, zeigt die Sympathie Siegels für Vaudeville, Magie und Slapstick. Aber was sollte man auch tun mit einem Helden, der auf Verlagsgeheiß nicht töten durfte, weil nach einem Einsatz, in dem Superman ein Flugzeug hatte explodieren lassen, Leserproteste eingegangen waren?

Siegel sah die einzige Möglichkeit, das Publikum zu fesseln, darin, ihm das zu bieten, was ihn selbst fesselte. Aus diesen Überlegungen hatte er auch die Idee zu Superboy entwickelt, die dann vom Verlag aufgegriffen worden war. Sein kindlicher Superman allerdings hätte der Welt einen Streich nach dem anderen spielen sollen.

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