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Die erste deutsche „Breakdowns“-Ausgabe von 1981 : Wie Heinz Emigholz „Breakdowns“ nach Deutschland brachte

  • -Aktualisiert am

Bild: Art Spiegelman

Deutschland war allen anderen Ländern voraus, als hier die erste fremdsprachige Ausgabe von Art Spiegelmans „Breakdowns“ erschien. Wie es zu dieser Pioniertat kam, hat Martin Jurgeit, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Comixene“, in Gesprächen mit den damals Beteiligten rekonstruiert.

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          Nicht wenige Leser - mich selbst eingeschlossen - hat es sicherlich überrascht, in Niklas Benders Beitrag „Die Krönung des Künstlers als junger Mann” vor einigen Tagen zu lesen, dass „Breakdowns“ in seiner Urfassung zwar bereits Anfang der achtziger Jahre auf Deutsch veröffentlicht wurde, aber damals nicht einmal eine französische Ausgabe zustande kam. Dass sich Comic-Deutschland tatsächlich einmal in einer Pionierrolle wiederfand, hängt mit einem Mann zusammen - dem als Filmemacher bekannt gewordenen Heinz Emigholz.

          Collective for Living Cinema

          Der 1948 in Achim bei Bremen geboren Emigholz lebt heute in Berlin, wo er der Produktionsgesellschaft Pym Films vorsteht. In wenigen Wochen wird sein neuer Film „Sense of Architecture“ auf der Berlinale 2009 uraufgeführt. Gern erinnert sich Emigholz an die Anfänge seines künstlerischen Schaffens, als er bereits in jungen Jahren erste experimentelle Filme drehte, die ihn unter anderem zur documenta 6 und auf Hamburger Filmschauen führten. Auf einem der Festivals in der Hansestadt wurde der amerikanische Filmemacher Larry Gottheim auf Emigholz aufmerksam und lud ihn nach New York ein. Das kam Emigholz mehr als zupass: „Ich wollte schon als Teenager aus Deutschland weg - aus dem Gefühl heraus, dass hier wesentliche Teile von Kultur ausgelöscht waren.“

          Martin Jurgeit

          Gottheim gehörte in New York zu den Gründern des „Collective for Living Cinema“ - genauso wie Ken Jacobs, dem Art Spiegelman in seiner neuen „Breakdowns“-Einleitung einen großen Auftritt verschafft. Gottheim und Jacobs lehrten am Cinema Department des Harpur College in Binghamton, nördlich von New York. Dort sammelte sich ein Kreis von Studenten oder Ex-Studenten wie Jim Hoberman, David Marc oder Marcia Bronstein um sie, der in Lower Manhattan das „Collective“ bildete, zu dem auch Emigholz stieß.

          „Für die amerikanischen Freunde war ich wohl zuerst ein Exot“, sieht er dies rückblickend, „man kannte sonst einfach keine jungen Deutschen, die wie sie Kunst unter schwierigen Bedingungen machten.“ Emigholz wusste aber auch, dass er aufgrund seiner Herkunft in dieser - nicht zuletzt von jüdischen Intellektuellen geprägten - Szene eine Sonderrolle einnahm: „Ken Jacobs hat mir damals irgendwann mal gesagt, dass er sich, ohne die Erfahrung des Vietnam-Krieges im eigenen Lande gemacht zu haben, mit keinem Deutschen unterhalten würde. In der Tat wurde meine Anwesenheit vor manchen Eltern und Großeltern verborgen, was ich verstehen konnte.“

          Aus den MailBooks entsteht „RAW“

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