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Comic : Manga-Boom: Nicht nur Action-Helden und Kulleraugen-Schönheiten

  • -Aktualisiert am

Die meisten Mangas erscheinen zweifarbig Bild: spk-berlin

Japanische Comics sind Kult. Das Berliner Museum für Ostasiatische Kunst widmet ihnen eine Ausstellung.

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          Die Mangas finden auch in Deutschland immer mehr Liebhaber. Ihren Weg an die Zeitungskioske haben die japansichen Comics zwar noch nicht gefunden - wohl aber den ins Museum. In Berlin präsentiert das Museum für Ostasiatische Kunst die Ausstellung „Manga - Die Welt der japanischen Comics“.

          Die von der Japan Foundation organisierte Schau bietet einen Überblick über die verschiedenen Stile des Genres. Insgesamt werden 25 Comic-Autoren mit ihren jeweils in sich abgeschlossenen kurzen Manga-Geschichten vorgestellt. Diese sind ins Deutsche übersetzt und als vergrößerte Reproduktionen ausgestellt.

          Historische Wurzeln

          Wie die Ausstellungsleiterin Khanh Trin erklärt, stamme der Begriff „Manga“ aus der japanischen Holzschnittkunst des 19. Jahrhunderts. Erstmalig sei er im Titel einer Skizzensammlung des Holzschnitzmeisters Katsushika Hokusai (1760 - 1849) aufgetaucht. Der Ausdruck bestehe aus den chinesischen Zeichen „man = spontan, komisch, witzig“ und „ga = Bild“.

          Spannende Unterhaltung ist garantiert

          Um die historische Entwicklung und soziale Einbettung der Mangas aufzuzeigen, werden deshalb ergänzend zu der Ausstellung auch japanische Farbholzschnitte und Holzschnittbücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert gezeigt. Diese gelten in ihrer Bildsprache und Erzähltechnik als Vorläufer der Mangas. Außerdem werden Skulpturen des zeitgenössischen japanischen Künstlers Nara Yoshitomo gezeigt, der die Bildsprache und Ästhetik des Manga in seinen Werken zitiert. Begleitet wird die Schau von einem Filmprogramm und einem Symposium. So werden im Kino „Arsenal“ Spielfilme präsentiert, die nach erfolgreichen Mangas entstanden sind.

          Japanische Gegenwartskultur

          Mangas haben nicht nur eine historische Tradition, sie sind auch Bestandteil der gegenwärtigen Alltagskultur. Die von hinten nach vorne zu lesenden und oft in schwarz-weiß gezeichneten Heftchen bieten komische Bilder und Eindrücke der unmittelbaren Gegenwart. Die Comics zeichnen sich durch große thematische und formale Vielfalt aus. Mangas gibt es für alle sozialen Schichten und Altersstufen, für Hausfrauen wie für Manager, für Kinder wie für Erwachsene und neuerdings auch als „Silver Manga“ für Rentner.

          „Es gibt nichts, was nicht im Manga aufgegriffen wird“, erklärt Jürgen Seebeck, der als einziger deutscher Manga-Zeichner und -Autor regelmäßig in Japan publiziert. Der Vorwurf, Mangas seien größtenteils pornografisch und gewalttätig, sei jedoch nicht gerechtfertigt. Der Anteil dieser Themen liege auf dem japanischen Comic-Markt nicht höher als im Westen. Der Manga sei ein allgemeiner Gebrauchsartikel. „Ein Manga-Heft kostet in Japan so viel wie eine Tasse Kaffee, und nach der U-Bahnfahrt landet es im Mülleimer“, sagt der Comic-Zeichner.

          In Japan sind die Mangas weder kulturell noch wirtschaftlich wegzudenken. Sie machen 40 Prozent der Druckerzeugnisse aus und erbringen 25 Prozent der Verkaufserträge. Etwa zwei Milliarden Manga-Zeitschriften und -Bücher gehen in Japan jährlich über die Ladentheke. Es gibt 300 verschiedene wöchentlich erscheinende Manga-Reihen. Sie garantieren Unterhaltung - und das keineswegs nur mit Action-Helden und Kulleraugen-Schönheiten.

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