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Comic-Ikone : Indianer kennen doch Schmerz - der neue "Lucky Luke“

  • -Aktualisiert am

Die jüngste Ausgabe von „Lucky Luke” stammt noch aus der Hand ihres Erfinders Bild:

Morris, der Schöpfer von Lucky Luke und Rantanplan, ist tot. Die neueste Ausgabe von „Lucky Luke“ erscheint im September.

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          Die "Neunte Kunst" trauert um ihren Vater. 1923 in Courtrai geboren, wurde Maurice de Bévère unter dem Pseudonym "Morris" zum Vater der Comic-Serie "Lucky Luke". Weniger bekannt ist, dass er selbst in einem Essay den Begriff "Neuvième art" für das Comic prägte und damit der Gleichberechtigung des jungen Mediums zu den anderen Künsten Ausdruck verschaffen wollte.

          Filmruhm erlangten Morris, der am 16. Juli in Brüssel starb, durch die Realverfilmung des Stoffs mit Terence Hill in der Hauptrolle, den abendfüllenden Kino-Zeichentrickfilm „Daisy Town“ und den in vielen Ländern gesendeten Trickfilmstaffeln.

          Das neue Abenteuer läuft unter dem Titel „Der Kunstmaler“

          Unter den deutschsprachigen Comic-Albenreihen genießt Lucky Luke mit bisher rund 30 Millionen verkauften Alben Bestsellerstatus. Erst vor kurzer Zeit hatte der Zeichner sein neuestes Abenteuer fertiggestellt. Das Album "L'artiste peintre" kam zwölf Wochen vor seinem Tod in Belgien und Frankreich auf den Markt. Im September soll die deutsche Übersetzung "Der Kunstmaler" bei Egmont Ehapa erscheinen.

          Maurice de Bévère, kurz Morris genannt
          Maurice de Bévère, kurz Morris genannt : Bild: dpa

          Bob de Groot hat das Szenario geschrieben. Eine Geschichte voll stiller Komik, die noch einmal die Leitmotive aus 55 Jahren Lucky Luke vorbeiziehen lässt. Der Mann, der schneller zieht als sein Schatten - wenn mittlerweile nur noch mit einem Colt und als Nichtraucher -, ist in Würde gealtert. Wo „Asterix“-Vater Albert Uderzo seine gallischen Krieger in immer haarsträubendere Abenteuer verwickelt, hält der Zeichner seinem Cowboy den Spiegel vor.

          Lucky Luke wird zur Nebenfigur, die sich führen lässt durch eine altbekannte Bilderwelt an der Grenze zur Nostalgie. Nicht das Klischee des Westerns aus Groschenheft und Film, an dem sich Morris mit seinen Geschichten gerieben hat, ist Thema, sondern jener "Far West", wie ihn de Bévère seit 1946 voller Parodie, Satire und Persiflage beschrieben hat.

          Indianer sitzen Modell und bekommen davon Kreuzschmerzen

          Lukes Fremdenführer durch diese irdische Komödie ist Frédéric Remington (1861 - 1909). Der Kunstmaler, Säufer und Vielfraß steht in der Tradition einer ganzen Reihe von zeitgenössischen Künstlerkarikaturen aus der Comic-Serie, unter anderem Sarah Bernhardt, Mark Twain und Jack London. Remington zieht auf der Suche nach Motiven für seine heroisierenden Wildwestgemälde durch einen amerikanischen Westen, der so wild gar nicht mehr ist. Die Schlägereien im Saloon gehören zum guten Ton. Indianer bekommen Kreuzschmerzen, weil sie zu lange Modell gesessen haben für das Bildnis eines wilden Ritts durch die Prärie. Und die Flucht der vier Daltons aus dem Gefängnis wird nur noch lapidar als Telegrammzettel zur Kenntnis genommen.

          Das Comic wird zur würdigen Erinnerung seiner selbst

          Remington hält diese Welt auf Leinwand, im Skizzenblock, ja auf ganzen Hauswänden fest. Er verleiht den müde gewordenen Figuren in seinen Bildern noch einmal das Feuer und die Kraft, die Alben wie "Billy the Kid", "Daisy Town", "Das Greenhorn" oder "Der Daily Star" auszeichnen. Hier wird das Comic zur würdigen Erinnerung seiner selbst - das mag auch Morris gespürt haben. Denn im letzten Panel des neuen Albums zeigt er noch einmal den malenden Remington. Jetzt halten beide - der Maler und sein Zeichner - den Cowboy Lucky Luke fest, wie er in den Sonnenuntergang reitet und das bekannte "I'm a poor, lonesome Cowboy, and a long way, from home..." singt - ein letztes Mal.

          Auch nach dem Tod seines Zeichners darf Lucky Luke sein altes Verlangen nicht einlösen und durch den Sonnenuntergang nach Hause reiten: Aus der Reihe der Comic-Künstler, mit denen Morris in den vergangenen Jahren zusammenarbeitete, soll die Serie fortgesetzt werden. Getreu der Maxime des Professor Bienlein: immer weiter nach Westen.

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