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College der Super-Nannys : Füttern, Bäuerchen, Liebhaben

Wie legt man das Kind in den Kinderwagen? Diese Frauen wissen es Bild: picture-alliance / dpa

Von hier kam das Kindermädchen, das Prinz Charles durch die königlichen Gärten schaukelte: Wer das traditionsreiche Norland College im südenglischen Bath absolviert, darf sich seinen zukünftigen Arbeitgeber unter Aristokraten, Filmstars und Milliardären aussuchen.

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          Laura und Suzanne sind sich noch nicht ganz sicher, ob sie später lieber für einen Filmstar oder ein Königshaus arbeiten möchten. Oder doch lieber im Dienste eines Ölscheichs stehen? „Johnny Depp wäre cool“, sagt Suzanne. Ihre Freundin gefiele Nicolas Cage - aber hat Cage überhaupt Kinder? Achtzehn Jahre sind die beiden Mädchen alt; in zwei Jahren beenden sie ihre Ausbildung. Wer auch immer sie dann einstellt, eines ist gewiss: Es wird eine der feinsten Adressen der Welt sein. Die jungen Frauen werden ein Jahresgehalt von mindestens 40.000 Euro verdienen, ein schickes Apartment bewohnen, einen Dienstwagen in der Garage stehen haben und sich in der First Class internationaler Fluggesellschaften wie zu Hause fühlen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Suzanne und Laura haben einen Beruf gewählt, der üblicherweise nicht mit Spitzenverdiensten in Verbindung gebracht wird: Sie werden zu Nannys ausgebildet, genauer gesagt: zu Norland-Nannys. So dürfen sich die Absolventinnen des Norland-College nennen, der angesehensten und traditionsreichsten Nanny-Schule Großbritanniens. Britische Aristokraten, amerikanische Filmstars, russische Milliardäre und schwerreiche Araber reißen sich um die nur vierzig Absolventinnen im Jahr. Von hier kam auch das Kindermädchen, das einst Prinz Charles im Kinderwagen durch die königlichen Gärten schaukelte. Mick Jagger vertraute seine Sprösslinge nur einer Norland-Nanny an. Veranstaltet die Königin ihre berühmten Gartenfeste für Kinder, bittet sie das altehrwürdigen College um Unterstützung.

          Luxusmarke in Sachen Kinderbetreuung

          Norland ist eine Art Luxusmarke in Sachen Kinderbetreuung. Wer einen Bentley im Fuhrpark hat und in der Royal Enclosure beim Pferderennen in Ascot sitzt, lässt seine Kinder selbstverständlich nicht von irgendjemandem großziehen. „Unsere Mädchen haben von jeher exzellente Chancen auf einen Arbeitsplatz“, sagt die College-Direktorin Thirza Ashelford mit einem gefrorenen Lächeln. „In den vergangenen Jahren stellen wir sogar eine deutlich steigende Nachfrage fest. Wir können all die Anfragen gar nicht erfüllen.“ Wie viele es sind und wer zu der illustren Kundschaft gehört, verrät sie nicht. Indiskretion ist eine Todsünde in Norland.

          Das College ist in einem unauffälligen Stadthaus im südenglischen Kurort Bath untergebracht, eineinhalb Stunden Bahnfahrt von London entfernt. Nur der gepflegte Kiesweg und der Brunnen im Garten lassen erahnen, dass es sich hier um eine Art Oxford für angehende Kindermädchen handelt. Laut Taxifahrer wurde das Gebäude vorher als Busdepot genutzt. Im College erzählt man hingegen lieber, dass es Mitte des achtzehnten Jahrhunderts der damaligen Herzog von York gebaut hat.

          Wie kommt das Kind in den Kinderwagen?

          Beim Eintreten gleicht die Schule jeder anderen britischen Lehranstalt: abgewetzte Teppiche, kleine Klassenräume, Holzstühle. Erst im oberen Stockwerk ist etwas vom Glanz der alten Zeit zu spüren, für den das 115 Jahre alte College heute noch berühmt ist. In hohen Vitrinen hängen Dankesbriefe mit bedeutend aussehenden Briefköpfen. Auf Schwarzweißfotos blicken einem ernst dreinschauende Mädchen in beigen Uniformen mit weißen Handschuhen und runden Hüten entgegen. Ein antikes Kinderbettchen mit handbestickter Spitzenbettwäsche steht in der Ecke. Relikt einer Zeit, in der Babies noch nicht in batteriebetriebenen Wippen zur Ruhe gebracht wurden.

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