https://www.faz.net/-gqz-8gbvt

Clickbaiting : Saftige Versuchung

  • -Aktualisiert am

Der Border-Collie verhält sich zur Wurst wie der Mensch zu einem saftigen Versprechen. Bild: Picture-Alliance

Forscher haben herausgefunden, wie auch Sie Ihr Leben verbessern können. Der Schluss der Studie hat uns fast zum Weinen gebracht.

          1 Min.

          Fragen Sie sich gerade, warum Sie auf diesen so seltsam anmoderierten Artikel geklickt haben? So funktioniert nun mal das sogenannte Clickbaiting: vollmundige Versprechungen und Geheimnistuerei. Seiten wie www.heftig.co haben ihr Geschäftsmodell darauf aufgebaut, dass einem irgendwo eine ihrer Überschriften begegnet, die eigentlich gar keine Überschriften mehr sind, sondern in Neonfarben gewandete, gellend kreischende Zeitungsjungen. Sie rufen etwa „Was man aus alten Abwasserrohren noch machen kann, ist verblüffend. Nr. 3 muss ich probieren!“ oder „Es sah wie ein Pickel aus. Aber was sie herauszog, wurde immer größer“.

          Das erwischt die Menschheit am untersten Zipfel ihrer Denkfähigkeit, wo nur noch Neugier und Naivität sitzen, so dass man gelegentlich doch schimpansenhaft draufklickt und sich fragt: Wer um alles in der Welt baut einen Gartenzaun aus Abwasserrohren? Dann ist aber alles schon zu spät, der Klick ist da, die Werbung ausgespielt, die Website hat ihr Ziel erreicht. Zurück bleibt das Bedürfnis zu duschen, am liebsten mit chlorhaltigem Duschgel. Denn die Überverkaufe ist Programm, und kaum je geht man voll befriedigt aus der Lektüre hervor. Da ist etwa der Mann, der aus siebentausend Euro etwas Unglaubliches gemacht haben soll. Es zeigt sich: Ja, er brauchte nur siebentausend Euro plus ein Grundstück auf einer thailändischen Plantage und zwei geschickte Kumpels, wer hat das nicht?

          Diese Methode ist alt, die goldenen Blätter annoncieren auf ihren Titelseiten schon lange „Promi-Dramen“, die sich als kleinere Unfälle herausstellen, die einer Schwägerin der Nachbarin des Prominenten widerfahren sind. Dagegen lässt sich wenig unternehmen, doch bei Facebook hat es sich immerhin eingebürgert, unter Clickbait-Postings aufzuklären: „Es war kein Pickel, sondern eine Fliegenlarve, bitte sehr.“ Das spart sehr vielen Leuten sehr viel Zeit und Albträume vom dazugehörigen Video. Aber um auf die Forscher zurückzukommen: Das Digital Bauhaus Lab aus Weimar arbeitet an einem Filter, der Clickbaiting erkennt und ausblendet. Die dazugehörige Studie analysiert die Methoden, die wohl für den Algorithmus nicht leicht zu erkennen sind, denn bisher liegt die Erfolgsquote bei achtzig Prozent. Und wenn Sie sich jetzt fragen, ob wir ernstlich deswegen geweint haben: Wir sind eben sehr sensibel.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Im Salzlandkreis : Der Osten liegt vorn

          Ostdeutschland steht in Sachen Pandemiebewältigung viel besser da als der Westen. Ist das nur Glück oder lässt sich daraus angesichts steigender Infektionszahlen etwas lernen? Besuch in einem Landkreis, dessen Bewohner vieles anders machen.

          Citys Star-Trainer unter Druck : Das Problem des Pep Guardiola

          Seit neun Jahren hat Manchester Citys Star-Coach Pep Guardiola die Champions League schon nicht mehr gewonnen – auch weil er Fehler machte. Hat er etwa seine besten Jahre als Trainer schon hinter sich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.