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Chronik eines Unfalls : Willkommen in Jordanien!

Wir hatten die Sache als Wochenendausflug geplant, von Donnerstag bis Montag: Nur Kunst und Landschaft Bild: Verena Lueken

Petra in Jordanien ist eine sagenhafte Stadt aus Grabhöhlen, Tempeln, Farbe und Licht. Doch dort spielt auch das moderne Leben. Hinfahren nur für die Kunst? Das könnte schiefgehen.

          Petra, die mythenumwobene Felsenstadt der Nabatäer in der jordanischen Wüste, ist kaum zu retten. Vermutlich wird unsere Generation die letzte sein, die sich dort über die Spuren eines verschwundenen Volkes beugen kann, von dem nicht viel mehr bekannt als dies: dass es auf steinernen Gipfeln riesige Zisternen anlegte, dass es die Wüste fruchtbar machte, dass es Handel trieb mit Gewürzen, Myrrhe und Weihrauch und aus rotem Sandstein eine Stadt von vollendeter Schönheit schuf, die sich der römische Kaiser Trajan vermutlich unblutig unterwarf. Dass all dies in einem Tal geschah, das sich hinter einer äußerst schmalen Klamm verbirgt und in dem erste Siedlungsstrukturen auf das siebte Jahrtausend vor Christus datiert werden können. Und dass die ganze Pracht zwischen 300 und 600 nach Christus durch Erdbeben, Überschwemmungen oder auch aus ganz anderen Gründen unterging und vergessen war, bis ein Schweizer 1812 die Überreste der Stadt wiederentdeckte. Ausgrabungen begannen und sind bis heute nicht abgeschlossen. Seitdem ist alles dort, die rekonstruierten Tempel, die Souvenirs, die Kameltreiber, die Kinder auf struppigen Eseln und die Beduinen in ihren verwegenen Kleidern sowohl Ausdruck moderner Lebensform im Zeichen des Tourismus als auch historisches Zitat in einer Landschaft von überwältigender Schönheit.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Mit zwei Freunden, nennen wir sie Heinz und Bärbel, wollte ich diese Stadt in der Wüste sehen, trotz Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Bevor es zu spät ist, weil Zeit und Wetter dem Sandstein den Garaus machen. Wir hatten die Sache als Wochenendausflug geplant, von Donnerstag bis Montag. „Nur Kunst und Landschaft“, hatte Heinz gesagt (und gemeint: nicht Land und Leute). Jeden Tag eine Ebene, unten die antike Einkaufsstraße und römische Tempel, weiter oben die ausgemalten Königsgräber und Grotten und Kirchen, ganz oben zwischen den Kalksteinfelsen die Obelisken und Opferstätten.

          Ein waghalsiger Fahrer schafft es nachts auf der Wüstenautobahn von Amman nach Petra in dreieinhalb Stunden. Aber als wir bis auf fünfzig Kilometer an Petra herangerast waren, schob sich undurchdringlicher Nebel über das Land. Kein Sandsturm, wie wir zunächst dachten, sondern grenzenloser feuchter Nebel. Unser Fahrer schaltete die Warnleuchten ein und tastete sich zögernd weiter. Ein schwerer Jeep mit kaputten Rücklichtern schlich an uns vorbei. Etwas weiter westlich, so hörten wir, soll es geschneit haben.

          Ein Blicke in das Leben der Menschen in Petra.

          Der nächste Morgen war eisig, doch der Himmel versprach einen strahlenden Tag. Mit Wanderstiefeln, einigen Lagen Kleidung und Proviant zogen wir los. Wir wollten nicht reiten, weder Pferd, Kamel noch Esel, wir wollten nicht kutschiert werden, sondern laufen und staunen und stehen bleiben, wann es uns gefiel, in Höhlen klettern, zu Grabmälern hinaufsteigen, den Stufen folgen, die in den weichen Stein gehauen wurden, vor fünf- oder zweieinhalbtausend Jahren oder vielleicht auch erst im vorvergangenen Monat, wer wollte das mit Sicherheit im Einzelfall schon sagen bei diesem porösen Material?

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