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Christoph Daums Autobiographie : Das epische Imperfekt ist für Verlierer

Das Geheimnis meiner Millionäre: Schadet Christoph Daum nicht seinem Geschäft als Motivationsguru, wenn er seine Kniffe vor großem Lesepublikum ausplaudert? Bild: Imago

Wie man hört, wollte Christoph Daum dem Ko-Autor seiner Autobiographie keine Rosamunde Pilcher-Sätze durchgehen lassen. Jetzt fragen wir uns natürlich, welche romanhaften Episoden wohl gestrichen wurden.

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          Die Autobiographie von Christoph Daum, die jetzt bei Ullstein erschienen ist, heißt „Immer am Limit – Mein Aufstieg, mein Fall“ und nicht „Karussell des Lebens“ oder „Schlafender Tiger“, weil für diese Titel schon Titelschutz besteht, seit Rowohlt ihn für zwei Romane von Rosamunde Pilcher anmeldete. Sein Aufstieg, sein Fall: Natürlich sollte sein Buch auch seinen Titel bekommen. „Wie stets, wenn es um eine schwierige Entscheidung ging, war er entschlossen, seine eigenen Regeln zum Maßstab zu machen.“

          Dieser Satz steht in „September“ von Rosamunde Pilcher und nicht in „Immer am Limit“ – doch das ist keineswegs so selbstverständlich, wie man nach dem Vergleich der Buchumschläge glauben könnte. Daum, der mit seinem Erstling „Die Wichtigkeit und Bedeutung von pädagogischen und psychologischen Maßnahmen eines Fußballtrainers“ 1980 das Fußballlehrerdiplom der Sporthochschule Köln erwarb, ist nicht der alleinige Autor der Bilanz des Erfolgs und Misserfolgs seiner Maßnahmen, die er vierzig Jahre später folgen lässt. Er hatte einen Motivationstrainer: Sein Mitverfasser Nils Bastek habe ihn „fast gedrängt“, mit der Niederschrift endlich anzufangen, hat er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ verraten. Im Schreibprozess lieferten sich der Amateur und der Profi dann Zweikämpfe mit etlichen Nickeligkeiten: „Wir haben uns gut ergänzt, hatten aber auch ein paar Auseinandersetzungen über den Duktus der Biographie. Ich wollte keine Formulierungen à la Rosamunde Pilcher.“

          Die Dokumente der Auseinandersetzungen, die verworfenen Fassungen der spannendsten Episoden, finden sich wahrscheinlich noch in einer Schreibtischschublade in Daums Villa in Köln-Hahnwald, zwischen der Mannschaftsaufstellung für sein erstes Spiel als DFB-Cheftrainer und den Taktikplänen für den Verleumdungsprozess gegen Uli Hoeneß. Für welche Begebenheiten der Daum-Saga mag Bastek eine Schilderung im Stil der Maßnahmen von Rosamunde Pilcher vorgeschlagen haben, womöglich gar ein Kopieren der kühnsten Kniffe ihrer Schreibmethode hart am Limit des Urheberrechts?

          Da ist das heikle Kapitel von Daums Flucht nach Florida nach dem positiven Haartest. Den Flug in einen neuen Morgen hat Rosamunde Pilcher in „September“ beschrieben: „Die Sonne glitt hinter dem trügerischen Wolkenhorizont herauf, alles wurde rosa, das Licht schmerzte in den Augen. Er sah in die Dämmerung, er musste nicht mehr versuchen einzuschlafen. Um ihn herum regten sich Menschen. Die Kabinenbesatzung brachte Orangensaft und dampfend heiße Tücher. Während er sich damit über das Gesicht wischte, spürte er die Stoppeln an seinem Kinn. Andere Männer machten sich mit ihrem Rasierzeug auf den Weg zur Toilette – Noel blieb, wie er war.“

          Christoph strich das alles durch. Das Rasierzeug sprang beim Redigat über die Klinge. Poetisches Beiwerk? Schnee von gestern. Sein Aufstieg, sein Fall erzählen sich ungekoppelt von selbst. Das epische Imperfekt ist für Verlierer. Daum bleibt, wie er ist.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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