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Christian Udes neues Buch : Im Münchner Plakatsumpf

So geht Politik in München: Fässer anschlagen. Christian Ude entwickelte über Jahre eine Routine darin. Bild: dpa/Peter Kneffel

Ausgerechnet ein AfD-Politiker macht Wahlwerbung mit dem neuen Buch des ehemaligen Münchner Langzeitbürgermeisters Ude. Der reagiert gewohnt dünnhäutig. Was, wenn sein Werk in rechte Hände geriete?

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          Ob Petr Bystron sauer ist auf seine Eltern? 1987 haben sie ihn als Fünfzehnjährigen bei ihrer Flucht aus der Tschechoslowakei einfach in den Westen mitgenommen. Und zwar ins schöne München, wo zu dieser Zeit der sozialdemokratische Rechtsanwalt Christian Ude gegen Miethaie kämpfte. Bystron studierte später an der örtlichen Hochschule für Politik. Dass Ude 1990 zum Oberbürgermeister gewählt wurde, dürfte ihm schon deshalb nicht entgangen sein, weil er es bald einundzwanzig Jahre später immer noch war.

          Zu dem Zeitpunkt hatte ihn Bystron längst zum politischen Gegner erkoren, erst als Parteimitglied der Freien Demokraten, seit 2013 als Mitglied der Alternative für Deutschland und seit 2015 als deren bayerischer Vorsitzender. Zuletzt fiel der anerkannte Asylbewerber durch maximale Anti-Flüchtlings-Politik auf. Die Ansicht seiner Parteifreundin Frauke Petry, Grenzpolizisten müssten, um einen illegalen Grenzübertritt zu verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen, teilt er.

          Hoffnung für den Autor Ude

          Im laufenden Wahlkampf hat er sich einen Kracher einfallen lassen, der vielleicht nicht gezündet hätte, wenn Ude nicht gewesen wäre. Im Wahlkreis München-Nord, dem rotesten Flecken ganz Bavariens, plakatierte die AfD das Cover von Udes soeben erschienenem Buch „Die Alternative oder: Macht endlich Politik!“ Es zeigt das halbe Konterfei Udes, kommt mit dicken roten Lettern daher und soll laut Verlag „zum Höhepunkt des Bundestagswahlkampfs“ den „starken, unbestechlichen politischen Praktiker“ ins Rampenlicht schieben, aus dem er zuletzt verschwunden war. Und was erlaubt sich der AfDler? Schreibt einfach darunter: „Ich mache die Politik, von der Ude nur schreibt!“

          Das konnte der auf Widerworte stets dünnhäutig reagierende Ude nicht auf sich sitzen lassen. Er spricht von „schmarotzender Werbung“, einem Begriff aus dem Urheberrecht – Bystron wolle von seinem Ansehen profitieren. Das hat allerdings zuletzt gelitten. Bei der letzten Landtagswahl ging er als Schwabinger Nesthocker ziemlich unter, danach legte er einen unschönen Abgang als Oberbürgermeister hin, verbittert, weil ihm die gesetzliche Altersgrenze eine erneute Bewerbung unmöglich machte. In der „Süddeutschen“ wurde er gar als „archetypischer Münchner“ in die Legendenbildung entlassen. Wer so lang an der Macht gewesen sei – länger als Kohl –, könne kein schlechter Politiker gewesen sein.

          Vielleicht waren die Kommentatoren auch einfach nur erleichtert? Dass nun die Inszenierung der Rückkehr als geläuterter Pragmatiker ausgerechnet mit der AfD kollidiert, birgt für den Autor Ude auch Hoffnung. Vielleicht läsen sein Buch nun „dank des rechten Plakats einige Wähler, die sonst in den braunen Sumpf geraten könnten“. Und würden gerettet! Da ist er wieder, der wendige Populist, den die Münchner so lange haben machen lassen, bis es selbst der SPD zu viel war. Danken tut er es den Wählern nicht. In seinem Buch macht er sehr deutlich, dass er vom Souverän nicht so viel hält. Und das mitten im Wahlkampf.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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