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Teurer Kino-Flop : Ein Krieg der Internetgiganten?

  • -Aktualisiert am

Die Produktion der chinesischen Fantasy-Schöpfung „Asura“ kostete 113 Millionen Dollar. Bild: AFP

Ein an „Herr der Ringe“ erinnerndes Fantasy-Epos in China knackte gleich zwei cineastische Rekorde: Es ist die teuerste nationale Produktion und der am schnellsten abgesetzte Film. Was ging da schief?

          Chinas Kulturindustrie bricht einen Rekord nach dem anderen. Gerade erst hat sie die teuerste nationale Filmproduktion aller Zeiten herausgebracht, schon macht sie durch die rascheste Absetzung eines Films seit Menschengedenken von sich reden. Das Besondere dabei ist: Es handelt sich um ein und dasselbe Werk, „Asura“, eine Fantasy-Schöpfung, die dem „Herrn der Ringe“ nacheifern wollte und immerhin 113 Millionen Dollar kostete. Nachdem der Film am Wochenende nur 7,1 Millionen Dollar eingespielt hatte, entschieden die Investoren, ihn aus den Kinos abzuziehen.

          Ob er in modifizierter Form noch einmal zu sehen sein wird, darüber machen die verschiedenen Produktionsfirmen einander widersprechende Angaben. In China wird jetzt vor allem darüber diskutiert, ob an dem Flop möglicherweise gekaufte Trolle schuld sind, die „Wasser-Armee“ genannt werden, weil sie die Vorverkaufsplattformen mit ihren manipulierten Bewertungen fluten. Auffällig war jedenfalls, dass sich gleich zum Filmstart bei einer der Plattformen, Maoyan, die niedrigst-mögliche Bewertung (1/10) häufte – was sich später auf moderate 6,4/10 einpegelte –, während die Bewertung beim Mitbewerber Tao Piao Piao von Anfang an höher war. Das Pikante daran ist, dass letztere Plattform einem Koproduzenten des Films gehört, dem Internetkaufhaus Alibaba, und die erste dessen direktem Konkurrenten Tencent. Hinter der Filmabsetzung könnte also ein verdeckter Krieg der Internetgiganten stecken. Aber womöglich erzählt sie auch noch etwas anderes: etwas über eine speziell chinesische Phantasie, die in dem Fantasyfilm enthalten ist.

          Für die Produzenten war offenbar der universelle Zugriff entscheidend. Eine universelle Geschichte um die Rettung der Welt, die auf einen Mythos des tibetischen Buddhismus zurückgeht, wird da mit 1800 Crewmitgliedern aus 35 Ländern unter besonderer Berücksichtigung Hollywoods realisiert; Menschen aller Farben und Rassen spielen die Bewohner der verschiedenen Königreiche, und alle sprechen Mandarin. So wie bisher Hollywood für eine globale Sprache sorgt, ist nun die ganze Welt in einen chinesischen Rahmen hineingeholt. Doch die Ästhetik scheint dem großen Anspruch nicht ganz standzuhalten. Im Rezensionsforum „Douban“ bescheinigten viele Zuschauer dem Film bloß „ein großes Wirrwarr“. Man sehe nur das viele Geld und die Internationalität, aber nicht, was die Macher damit eigentlich anfangen wollten. Ein Kritiker erkannte darin ein Land, dem paradoxerweise immer noch das kulturelle Selbstvertrauen fehlt.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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