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Charles Anson über die Queen : Die Königin im Goldfischglas

Symbol der nationalen Identität: Was wären die Briten ohne ihre Königin Elisabeth II.? Bild: AFP

Nach mehr als zehn Jahren kommt Königin Elisabeth II. wieder nach Deutschland. Ihr früherer Sprecher Charles Anson verrät, warum sie auch in größten Krisen die Ruhe selbst bleibt. Und was sie an ihrer Familie schätzt.

          5 Min.

          Herr Anson, Sie waren in den neunziger Jahren Pressesprecher der Queen und haben Pressearbeit für Margaret Thatcher in ihrer Zeit als Premierministerin gemacht. Was haben diese beiden Frauen gemeinsam?

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Beide sind völlig unterschiedliche Führungspersönlichkeiten. Aber beide sind hochprofessionell und engagieren sich mit aller Kraft für das, was sie für richtig halten. Margaret Thatcher war der leidenschaftlichen Überzeugung, dass ihre zuweilen hochkontroversen Ansichten nicht nur politische Standpunkte waren, sondern wirklich wichtig für die britischen Interessen. Die Königin steht über der Politik. Aber sie hat ein ausgeprägtes Pflichtgefühl und will ihrem Land und dem Commonwealth dienen.

          Wo sahen Sie sich größeren Herausforderungen gegenüber, in Downing Street oder in Buckingham Palace?

          Charles Anson: Windsorkenner und ehemaliger Pressesprecher der Queen
          Charles Anson: Windsorkenner und ehemaliger Pressesprecher der Queen : Bild: dpa

          Für jemanden in einer politischen Führungsposition zu arbeiten ist fordernder. Allerdings war ich in Number 10 nur auf der mittleren Ebene des Pressebüros tätig. Der Druck lastete auf Margaret Thatchers Pressesprecher Bernard Ingham. Im Palast dagegen leitete ich das Presseteam - nicht nur der Königin, sondern auch der Mitglieder ihrer Familie. Wir hatten es also mit beidem zu tun: der Monarchie und der königlichen Familie.

          Wie erlebten Sie 1992 als königlicher Pressesprecher das sogenannte „annus horribilis“?

          Es war ein sehr schwieriges Jahr. Die Ehe von Prinz Andrew und die Ehe von Prinz Charles gingen auseinander. Jeder Tag brachte neue Überraschungen, und man spürte, dass auch die Monarchie litt. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass die Institution selbst in Gefahr wäre.

          Warum nicht?

          Weil die Königin nicht wankte. Wann immer ich einen Termin bei ihr hatte, ob an einem Tag mit guten Neuigkeiten oder schlechten, arbeitete sie auf exakt dieselbe Art und Weise. Ruhig und mit Einsatz. Nicht etwa, weil sie abgehoben gewesen wäre von der Realität. Sondern weil sie bei ihrer Krönung gelobt hatte, ihrem Land zu dienen und ihr Bestes zu tun.

          Haben Sie jemals um die britische Monarchie gefürchtet?

          In dieser einen Woche nach dem Tod von Princess Diana 1997 gab es ein Gefühl von Zerbrechlichkeit in Großbritannien. Aber nach der Fernsehansprache der Königin und dem Begräbnis beruhigte sich die Lage wieder.

          Unmittelbar nach Dianas Tod schien die Königin weit weg von den Erwartungen ihrer Untertanen. Der Palast musste sich neu aufstellen.

          Ja, es gab Änderungen. Aber die Monarchie musste sich immer wieder auf Veränderungen in der Gesellschaft einstellen. Und in den letzten fünfzig Jahren hat sie sich mehr gewandelt als je.

          Wie hat das Internet die Medienpolitik des Palastes verändert?

          Auch im Königshaus zieht der mediale Wandel ein: Prinz William und Herzogin Kate gaben die Geburt ihrer Tochter Charlotte per Twitter bekannt.
          Auch im Königshaus zieht der mediale Wandel ein: Prinz William und Herzogin Kate gaben die Geburt ihrer Tochter Charlotte per Twitter bekannt. : Bild: dpa

          Die Boulevardpresse ist heute weniger mächtig als früher und das Internet einflussreicher, was die Entstehung von Nachrichten und Meinungen betrifft. Außerdem gibt es heute eine größere Bereitschaft, einen Ausgleich zu suchen zwischen dem, was akzeptabel ist, und dem, was als Eindringen in die Privatsphäre gelten muss. Wie die königliche Familie die neuen Medien handhabt, ähnelt dem Vorgehen in Politik und Wirtschaft. Die Geburt von Prinzessin Charlotte wurde per E-Mail und Twitter verkündet. Der Palast profitiert von dem Feedback aus dem Netz. Man kann schneller herausfinden, was die Menschen bewegt. Die Monarchie hat sich angepasst. Und darum denke ich, dass sie noch lange bestehen wird.

          Als Diplomat an der britischen Botschaft in Teheran haben Sie den Sturz einer Monarchie erlebt.

          Im Jahr 1976 konnte man spüren, dass Iran von sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten gezeichnet war und dass der Schah sich womöglich nicht ewig halten würde. Doch die Geschwindigkeit des Wandels überraschte alle. Zu erleben, wie die Revolution hochkochte, war ein eindrückliches Erlebnis für jeden Ausländer im Land. In diesem Stadium war sie noch nicht gegen das Ausland gerichtet, das kam später.

          Als die britische Botschaft besetzt wurde.

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