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Viel Bläser-Abstand : Charité definiert Corona-Regeln für Orchester

  • Aktualisiert am

So groß muss der Abstand gar nicht sein: Instrumentenbaumeister Alexander Weimann mit selbstgebauter Trompete in seiner Werkstatt in Kapellendorf bei Weimar, Bild: Picture-Alliance

Je nach Besetzung bringt ein Orchester schnell mal hundert Musiker auf die Bühne. Das lässt viele Klassik-Fans an baldigen Konzerten in Corona-Zeiten zweifeln. Doch Wissenschaftler zeigen Wege auf.

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          Die Enge in Orchesterreihen gilt als eine der Hürden für eine Rückkehr klassischer Konzerte in Zeiten der Corona-Krise. Nun haben Wissenschaftler der Berliner Charité Bedingungen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebes von Orchestern definiert.

          Vier Forscher analysierten die Eigenheiten verschiedener Instrumente wie Streicher, Bläser, Harfe, Tasteninstrumente oder Schlagwerke und Pauken. Berücksichtigt wurden Kriterien wie Bewegungen, Sitzordnung oder Atemfrequenz. Bei den Bläser wurde zudem genau geschaut, wie die Luftströme bei den Instrumenten verlaufen oder wo sich Kondenswasser vor allem bei den Blechbläsern bildet.

          Entsprechend der verschiedenen Bedingungen und Eigenschaften gibt die Studie unterschiedliche Abstände in den Orchesterreihen vor: Bei den Streichern sollen die Stühle 1,5 Meter voneinander entfernt stehen, für die Bläser werden zwei Meter empfohlen. Die Blechbläser sollen zudem mit einem Plexiglasschutz abgeschirmt werden. Dirigent oder Dirigentin sollten bei Konzerten 1,5 Meter entfernt sein. Bei Proben werden sogar zwei Meter empfohlen, weil dann auch gesprochen wird.

          Heilende Wirkung

          Zugute kommt der Situation im Orchester generell, „dass die Musikerinnen und Musiker nicht einander gegenüber sitzen und sich auch nicht ansprechen, allenfalls in der Probensituation gelegentlich“. Neben den spezifischen Empfehlungen für die Bühne haben die Forscher auch allgemeine Regeln für Hygiene, den Abstand etwa beim Betreten der Bühne oder die Beachtung von Krankheitssymptomen aufgelistet. Die Situation für Konzertbesucher wurde nicht analysiert.

          „Die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit ist nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten relevant“, heißt es in der Studie zur Arbeit von Orchestern. „Berufstätigkeit ist aus sozialmedizinischer Perspektive besonders wichtig und gesundheitlich stabilisierend.“ Die Wissenschaftler haben hier auch das Publikum im Blick, da „Kunst und Kultur für die Bevölkerung eine unverzichtbare Bedeutung“ haben. Insbesondere Musik habe heilende Wirkungen. „Eine Wiederaufnahme des Kunst- und Kulturbetriebes sollte daher parallel zur Wiedereröffnung von Industrie, Handel und Bildungseinrichtungen dringend angestrebt werden“, empfiehlt die Studie.

          „Modellcharakter auch über Berlin hinaus“

          Stefan Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité, sagte: „Mit dieser Stellungnahme werden wichtige Grundlagen für den Proben- und Konzertbetrieb der Orchester geschaffen.“ Das an diesem Donnerstag veröffentlichte, dreizehn Seiten umfassende Papier entstand auf Initiative der Orchestervorstände der sieben Berliner Orchester: Philharmoniker, Deutsches Symphonie-Orchester, Konzerthausorchester, Orchester der Deutschen Oper und der Komischen Oper, Rundfunk-Sinfonieorchester sowie Staatskapelle.

          Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sieht in der Studie „Modellcharakter auch über Berlin hinaus“. Sie gebe den Klangkörpern konkrete und praktikable Anleitungen zu Orchesteranordnung, „die wir in unsere Neustart-Überlegungen intensiv mit einbeziehen werden“.

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