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Cecil Rhodes in der Kritik : Denkmalentzug

  • -Aktualisiert am

Auch in Kapstadt sorgt die Cecil-Rhodes-Statue für Widerstand: die Nase wurde abgeschlagen. Bild: AP

Heißt, einen Menschen historisch zu betrachten, seine Taten gutzuheißen? Diese Frage stellt sich in Oxford angesichts der Proteste gegen den 1902 verstorbenen Stifter Cecil Rhodes.

          Oxforder Anhänger der in Südafrika gegründeten Agitationsgruppe „Rhodes Must Fall“, haben einen ersten Sieg errungen in ihrer Kampagne gegen Cecil Rhodes (1853-1902), den britischen Kolonisten, der Premierminister der Kolonie wurde und Rhodesien seinen Namen schenkte. Einst galt der skurrile Pastorensohn, der von der Überlegenheit der „englisch sprechenden Rasse“ überzeugt war, als Held. Inzwischen wird er als Inbegriff der Sünden des Empire und „Architekt der Apartheid“ verfemt.

          Rhodes war Student am Oriel College. In seinem Testament hat er der Universität die Mittel für das Rhodes-Stipendium vermacht, das seit 1902 rund achttausend Postgraduierte aus aller Welt gefördert hat. Das Standbild von Rhodes thront über dem Eingang des Anbaus von 1911, das aus seinem Vermächtnis finanziert wurde. Zudem hat ein Zeitgenosse, dessen Vermögen wie das von Rhodes aus den südafrikanischen Diamantengruben kam, bereits einige Jahre zuvor eine Plakette an der Straßenfront von Oriel anbringen lassen - in Anerkennung von dessen „großen Verdiensten um sein Vaterland“.

          Vielfalt und Inklusivität

          Diese Denkmäler werden von der „Rhodes Must Fall“-Bewegung als „unverhohlene Glorifizierung des rassistischen und blutigen Projektes des Empire“ empfunden. Das Geld, das der „mörderische Kolonialherr“ stiftete, habe nicht ihm gehört, sondern den einheimischen Afrikanern, die er unterdrückt und bestohlen habe. In einer Erklärung hat das College jetzt der Forderung stattgegeben, die Plakette zu entfernen, sofern der Stadtrat dies genehmige, und zu überprüfen, wie mit der unter Denkmalschutz stehenden Statue umzugehen sei, die als „unkritische Zelebration einer umstrittenen Figur und des Kolonialismus und der Unterdrückung der schwarzen Gemeinschaften“ gesehen werden könne.

          Vorerst soll im Fenster unter der Statue ein Hinweis angebracht werden, der die ablehnende Einstellung des College zu Rhodes klarstelle. Darüber hinaus plant Oriel ein umfangreiches Programm, darunter Vorlesungen über Rassengleichheit und die fortdauernde Geschichte des Kolonialismus und seiner Folgen. Es soll eine „strukturierte Hörübung“ initiiert werden, um Meinungen einzuholen über das weitere Vorgehen. Ziel sei es, sich an die Spitze der Kampagne zu stellen, die Vielfalt und Inklusivität in Oxford zu fördern. So erstrebenswert dies sein möge, muss man sich doch fragen, wie weit Oxford und andere Hochschulen, die unter ähnlichen Druck von Seiten radikaler und einschüchternder Protestgruppen geraten, gehen wollen, um die Vergangenheit zu redigieren. „Rhodes Must Fall“ will nicht nur Rhodes von seinem Sockel stoßen, sondern alle kolonialen Relikte in den physischen und geistigen Räumen der Universität. Die Liste ist lang und zeugt von dem Grundfehler, die Menschen aus dem Zusammenhang ihrer Zeit zu reißen. Sie nach den Maßstäben von damals zu beurteilen kommt keineswegs einer Gutheißung gleich.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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