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Andrea Diener, Redakteurin im Feuilleton

Instagram : Memefiziert

  • -Aktualisiert am

Ein Meme? Nur mit viel gutem Willen. Bild: @connectcdu/Instagram

CDU-Wahlkämpfer haben für Instagram das Prinzip des Memes entdeckt – aber nicht so ganz verstanden. Was genau läuft da schief?

          2 Min.

          Ein „Meme (Kulturphänomen)“ ist, konsultiert man die Wikipedia, ein „spezieller, kreativ geschaffener Bewusstseinsinhalt, der sich zwischen Menschen verbreitet“. Zwischen Menschen heißt in diesem Fall: im Internet. Memes bilden einen erheblichen Teil der digitalen Kommunikation, indem sie auf formalisierte Weise Alltagsphänomene abbilden oder gesellschaftliche Kommentare abgeben. Vor allem sind Memes äußerst anschlussfähig.

          Als an der Uni Mainz einmal eine Tür kaputt war und dies mit dem Zettel „Defekt – Techniker ist informiert“ kundgetan wurde, ereignete sich die bislang größte bekannte analoge Meme-Schlacht auf deutschem Boden. Nach kurzer Zeit war der Bereich um die Tür vollgepflastert mit ausgedruckten Meme-Variationen auf die Begriffe „Tür“, „Techniker“ und „informiert“. Eines der am weitesten verbreiteten Memes ist das „Image Macro“, sprich: oben Text, unten Bild.

          Nun dachte sich die gemeinsame Wahlkampfplattform von Junger Union und CDU, dass genau dieses Format geeignet wäre, den etwas langweiligen Instagramkanal @connectcdu aufzumischen. Am 6. Januar posteten die Betreiber ein Foto von Generalsekretär Paul Ziemiak auf einem Tretroller, darüber steht: „Chabos wissen wer der Babo ist“. Die Kombination aus Haftbefehl-Zitat und Tretrollerfahrer kann nur mit sehr viel Nachsicht als Meme bezeichnet werden, der Eintrag bekam dennoch mehr Likes als die ewigen Schnappschüsse aus dem Wahlkampf in Hessen. Aha, dachten sich wohl die Köpfe hinter „Connect“, da ist sie, unsere neue Social-Media-Strategie.

          Seitdem wird memefiziert, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Zum Muttertag Philipp Amthor mit riesigem Blumenkorb: „Wie wir heute alle unsere Mutti lieb haben“. Ein Foto von Armin Laschet, sich die Brille zurechtrückend: „Nachdem du bei anne will \[sic!\] alle hops genommen hast“. Dazu lockere Textchen mit haufenweise Emojis. Während Twitter sich kaum noch einkriegt vor lauter Fremdscham, ist die interessantere Frage ja: Warum genau funktioniert das eigentlich nicht?

          Das Gesetz des Memes will es, dass eine nachvollziehbare, alltägliche Situation – Tür kaputt, Techniker informiert etc. – mit einem Bild aus Film, Funk und Internet auf überraschende Weise kombiniert und immer neu kontextualisiert wird. Nun ist „bei anne will alle hops nehmen“ keine Situation mit sonderlich hohem Identifikationsangebot und ein Nullachtfuffzehn-Screenshot aus der Talkshow kein bekanntes Foto, das der Sache einen überraschenden Dreh hinzufügen würde. Dass Philipp Amthor muttertags mit einem Korb Strauchmargeriten vor der Tür steht, kann man sich auch nur zu gut vorstellen. Da hilft es auch nicht, dass sich JU-Chef Tilman Kuban, wie auf dem Kanal zu lesen ist, öffentlich zur „Meme-Kultur“ bekennt. Man sollte ihm das Phänomen vorher vielleicht noch einmal genau erklären.

          Andrea Diener
          Redakteurin im Feuilleton.

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