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Fürsprecher der CDU-Kandidaten : Nur das Beste fürs Land

Während Schäubles Votum für Merz wie ein Gottesurteil aufgenommen wurde, konnten die anderen Fürsprecher keine vergleichbaren Spitzenwerte in der Aufmerksamkeitsökonomie erzielen. Bild: dpa

Im Kampf um den CDU-Vorsitz tummelten sich die Fürsprecher. Das Metarennen backstage hat gezeigt, wo die Grenze zwischen Wichtigtuerei und politischem Gewicht liegt. Ein Kommentar.

          Was spricht für AKK, was für Merz, was für Spahn? Die Was-Frage, dieser artige Erzählrahmen der Regionalkonferenzen, war gestern. Die Wer-Frage ist heute. Es tummeln sich die Fürsprecher. Wer spricht für AKK, wer für Merz, wer für Spahn? Damit ist backstage ein ganz neues, ein Metarennen eröffnet worden, das Rennen der Fürsprecher um – ja, vorderhand um deren jeweilige Favoriten in der Nachfolge von Merkels Parteivorsitz, also um AKK, Merz oder Spahn, aber „im Wesenskern“ (AKK) rennen die Fürsprecher nicht für ihre Favoriten, sondern für sich selbst. Geht es bei ihrem Rennen doch unvermeidlich auch um eine Prestige-Veranstaltung in eigener Sache.

          Dabei zeigt sich, wer von den Fürsprechern politisches Gewicht hat und also ein „Oha!“ hervorruft, sobald der Name des jeweiligen Günstlings gefallen ist, und wer demgegenüber ins Leere läuft, weil kein Schwein sich dafür zu interessieren scheint, ob sie oder er nun AKK, Merz oder Spahn gut findet. Während Schäubles Votum für Merz wie ein Gottesurteil aufgenommen wurde, konnten die anderen Fürsprecher keine vergleichbaren Spitzenwerte in der Aufmerksamkeitsökonomie erzielen. Schäuble muss sich seiner starken Rolle als Übervater der Partei zur Gänze bewusst gewesen sein, sonst hätte er nicht geistesgegenwärtig im Register der mosaischen Ontologie gesprochen, als er den Satz formulierte: „Es wäre das Beste für das Land, wenn Friedrich Merz eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte.“

          Wild votierende Masse der Wichtigtuer

          Da steht es nun, gemeißelt wie in eine Gesetzestafel. Schäuble spricht von einem Außen her, von einer höheren Warte, wenn er über „das Land“ spricht, nicht kulturrelativistisch über „unser Land“, und Merz ist auch nicht personalistisch „der Beste“, sondern objektivistisch, nach Art des summum bonum, „das Beste“ fürs Land. So kann nur einer sprechen: Schäuble. Alle anderen Fürsprecher gehen demgegenüber in einer wild durcheinander votierenden Masse der Wichtigtuer unter. Wer will denn wirklich wissen, ob Blüm, Reul, Hans für AKK sind, Oettinger, Linnemann, Bosbach für Merz sind und nobody für Spahn ist?

          Allein Altmaier bewies performatives Gespür, als er gestern Schäubles Einlassung als „Dammbruch“ bezeichnete, obwohl ja schon vor Schäuble Voten abgegeben worden waren wie das von Günther für AKK, Voten, die sich freilich als nicht dammbruchfähig erwiesen. Denn auch Günther gehört zu jenen, die nicht Schäuble sind. Laschet hatte diese systemische Asymmetrie vorausgesehen, als er sich demonstrativ einem Votum verweigerte („Wir trauen jedem und jeder Delegierten eine eigene Meinungsbildung zu“, auch nicht verkehrt).

          So kann nur einer schweigen: Laschet. Erkennbar beansprucht er die Sonderrolle eines Reservegottes neben Schäuble. Und die Kanzlerin? Sie votiert aus dem Mund der Vertrauten Schavan für das korrekte Geschichtsbild ihres Abgangs als Parteichefin: „Selbstbestimmt“ sei der gewesen und nicht etwa getrieben vom Desaster der Hessen-Wahl. Meint Schavan. Warum? „Weil sie (Merkel) es selbst in der Pressekonferenz so gesagt hat.“ Soso. Hätte die Kanzlerin in jener Pressekonferenz doch nur Schäuble für sich sprechen lassen! Dann würde man sie vor der Geschichte nun tatsächlich selbstbestimmt nennen. Oha!

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