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CDU-Führung : Das hat Zeit

  • -Aktualisiert am

Armin Laschet betrachtet seine Konkurrenz in der Zeitung. Bild: dpa

Ziehen die Unionsparteien ihre Kandidatenkür absichtlich in die Länge? Dann gäbe es am Ende vielleicht doch eine Gewinnerin.

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          „Wer wird Deutschlands next Mutti?“, fragte der Träger des Ordens wider den tierischen Ernst, als noch niemand wissen konnte, dass es wohl doch eher auf einen next Vati hinauslaufen wird. Ob es erlaubt ist, an Armin Laschets Aachener Karnevalsrede noch einige gleichfalls nicht tierisch ernstgemeinte Überlegungen anzuknüpfen? Tä-tää, tä-tää, tä-tää – hier wären sie: Nach allem, was man hört, sind sich die Unionsparteien in Bezug auf das bei der Wahl eines neuen Parteivorsitzenden und eines Kanzlerkandidaten vorzulegende Tempo schon mal einig; als Sprachregelung hat sich „zügig, aber nicht übereilt“ durchgesetzt.

          Dass dies natürlich nur der allerkleinste Nenner für alles und nichts ist und man genauso gut sagen könnte „nicht zu schnell und nicht zu langsam“ oder am besten gleich Karl Kraus bemühen sollte („In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige“), ist in Zeiten allgemeinen Lavierens und allenthalben abnehmender Entschlossenheit hinzunehmen. Sicher scheint bisher nur eines: Der Unionskanzlerkandidat wird entweder im Frühjahr, im Sommer, im Herbst oder im Winter, also bis „Dezember“ (AKK), bestimmt, auf jeden Fall aber noch vor der Bundestagswahl 2021 und nicht etwa danach, es sei denn, man hält es jetzt schon mit Christian Lindner: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“

          Falls in der Union aber auch darin Einigkeit besteht, dass es falsch ist zu regieren, dass also schon das Regieren als solches, noch vor allem Koalieren, falsch ist, gewissermaßen noch falscher als falsches Regieren, dann ist eine Kandidatenkür auch nach der Wahl noch problemlos möglich, ja, wäre im Prinzip sogar das Klügste und wenigstens die CDU damit ganz fein raus. AKK könnte ihre Nichtnachfolgerin im Kanzleramt in aller Ruhe aufbauen und zur Not auch gegen Heckenschützen verteidigen, ohne dass Mutti ihr dazwischenfunkte. In dieser Zeit, deren Dauer allein sie bestimmt, bliebe sie selbstverständlich Parteivorsitzende und hätte damit, zumal sie im Wahlkampf ja weiterhin unbesiegt wäre, wenigstens inoffiziell und unverändert noch das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur, vorausgesetzt, Merkel tut das, was sie am besten kann: sich eine Entscheidung über eine abermalige Kandidatur „nicht leicht machen“ und sich in letzter Minute doch noch einmal dazu durchringen, natürlich nur wegen der „Herausforderungen“, vor denen das Land wieder einmal stehe und die niemand anders so gut aussitzen kann wie eben sie, Mutti Merkel.

          Rein theoretisch könnte die Union sich dann bis Anfang 2025 Zeit lassen mit einer Nachfolge. „Wer“, fragte Laschet, der sich seinerseits schon mit der Frage konfrontiert sieht, ob man eigentlich auch als Mann Kanzler werden könne, „soll es denn machen? Ich weiß es nicht.“ Wir wissen es: jemand, der die Sieben-Tage-Woche nicht scheut. Und wenn Vati samstags weiterhin uns gehören soll, dann kann es nur die Eine geben.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

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