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CCC-Kongress : Wer, wenn nicht wir?

Besucher des Chaos Communication Congress in Hamburg vor einem 3D-Tunnel Bild: dpa

Der größte Hackerkongress Europas wird von aktuellen politischen Debatten geprägt. Die Szene warnt vor Freiheitsverlust und vor einer Ausweitung der Videoüberwachung. Und fühlt sich unverzichtbarer denn je.

          Zum letzten Mal steht die leuchtende Rakete namens Fairydust - "Feenstaub" - vor dem Hamburger Kongresszentrum und markiert die wohl größte Ballung computeraffiner Menschen, die sich auf der Welt finden lässt. Das Gebäude wird demnächst grundsaniert, der Communication Congress des Chaos Computer Clubs mit seinen 12.000 Teilnehmern wird sich eine neue Heimat suchen müssen. 

          Darüber redet man lieber noch nicht in der eher kurzen und schmerzlosen Eröffnungszeremonie, die in diesem Jahr auf einen Key Speaker verzichtet. Der 33. Congress, kurz "33C3" steht unter dem Motto "Works for me", ein Verweis auf eine eher subjektive Sicht des "Bei mir funktionierts" ohne Rücksicht darauf, ob es auch bei anderen funktioniert. Tut Euch zusammen, fordern Anna und Elisa, die die dreitausend Besucher im größten Saal 1 begrüßten. Formt Gruppen, tut etwas. Denn in Sachen Verschlüsselung, Zensur und Menschenrechte gibt es noch einiges zu tun. Vielleicht fühlt sich jeder einzelne machtlos, vielleicht funktioniert es auch für ihn, aber alleine auf diesem Kongress befinden sich zwölftausend Menschen, das ist schon eine Größe, die etwas bewegen kann. 

          Zwischen Drohnenkrieg und Whistleblowing

          Das Programm der nächsten drei Tage bewegt sich zwischen Drohnenkrieg und Whistleblowing auf der einen Seite bis hin zu kleineren, kreativen Aktionen wie der Ringkampfarena für selbstgebaute Roboter. Eine Vortragsreihe widmet sich erstmals umfassend der Raumfahrt und Astronomie. Die Podcasterecke namens "Sendezentrum" wächst von Jahr zu Jahr, verfügt über eine Bühne und reichlich Bühnenshows. Auffallend gewachsen ist die Kinderspielecke, und mit dem Junghackertag bemüht man sich um den Nachwuchs. Die Frauenquote ist gefühlt höher als je zuvor.

          Benni und Dorina des Projekts "Chaos macht Schule" in Berlin und Hamburg berichten von der Bildungsinitative des Chaos Computer Clubs, die Medienkompetenz und Technikverständnis der jungen Generation fördern möchten. Während viele Schüler offen für Neue Medien und durchaus technikbegeistert sind, bekommen sie nur wenig Unterstützung durch Lehrer und Eltern, weil diese von den Entwicklungen der Technik und des Internets oft überfordert sind. "Chaos macht Schule" berät Eltern und Lehrer bei Themen wie Privatsphäre und Sicherheit, sie löten aber auch mit Schülergruppen und sprechen mit ihnen über Themen wie Mobbing und Mediennutzung, um sie zu digital mündigen Bürgern zu machen. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe solcher Initiativen wie "Klicksafe" oder "Jugend hackt", doch sie sind klein und ihr Wirkungskreis beschränkt. Dabei übernehmen sie "die Arbeit, die eigentlich das Schulsystem leisten müsste", so Benni. 

          Streit um Daten auf einem iPhone

          Der amerikanische Aktivist Kurt Opsahl hielt einen der am meisten beachteten Vorträge am ersten Tag über die Kontroverse zwischen Apple und dem FBI um ein iPhone, auf dem sich Hinweise zu einem terroristischen Angriff finden sollten. Das FBI verlangte von Apple, die Daten des Telefons herauszugeben, der Konzern weigerte sich. Während die Politik sich bislang – Donald Trump ist hingegen ganz auf der Seite des FBI – zu keinem eindeutigen Standpunkt durchringen konnte, sind die Fronten zwischen Ermittlern und Apple verhärtet. Wenn es nach dem FBI geht, der sich im Fall des Terroristen-iPhones auf die Expertise externer Hacker verlassen musste, besserte Apple in Sachen Datensicherheit nach. Und während das Vereinigte Königreich findet, der Staat dürfe gerne einmal in den Telefonen seiner Untertanen herumsuchen, schob die EU dem einen Riegel vor, der immerhin bis zum Brexit gelten dürfte – und für uns in den EU-Mitgliedsstaaten zum Glück noch gilt.

          Bei allem Pessimismus lässt man sich beim 33C3 den Spieltrieb nicht nehmen. Aus dem Treffen verschworener Codekenner – die gibt es hier natürlich auch zu Tausenden – wurde längst ein Kongress von Menschen, die das Internet nicht für das Böse halten, wenn man nur richtig damit umgeht, und die immer noch glauben, dass die Technik uns das Leben erleichtert. Die glauben, dass man als Einzelner gegen große Gebilde ankommen kann. In Zeiten, in denen Facebook und Fake-News das Netz bestimmen, braucht man die umso dringender.

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