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Neuer Fortsetzungscomic : Dieser magische literarische Name K.

Herr der Parabeln: Der preisgekrönte Comic-Zeichner Ulf K. Bild: ddp images/Patrick Sinkel

Zum Start des neuen Comics im Feuilleton der F.A.Z.: Ulf K. zeichnet Bertolt Brechts „Geschichten vom Herrn Keuner“. Er bleibt nah an der Vorlage, gestattet sich jedoch manche Ausschmückung.

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          In der ersten Folge unserer neuen Comicserie „Keuner“, die wir von heute an bis zum Ende des Jahres jeweils von Dienstag bis Freitag auf der letzten Seite des Feuilletons abdrucken werden, lautet der erste Satz: „Der dort! Der scheint genau der Richtige zu sein.“ Gemeint damit ist ein kleiner stiller Herr, der harmlos durch die Straßen einer Stadt spaziert, dann von Außerirdischen entführt und gegen seine Gewohnheiten ziemlich laut wird. Sein Name ist Keuner.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Wir kennen ihn alle, denn die „Keuner“-Parabeln von Bertolt Brecht sind Schullektüre und, wichtiger noch: intellektuelles Vergnügen. Im Jahr 1926 begann Brecht mit deren Abfassung, und über die Jahrzehnte entstanden - nach derzeitigem Wissen und aktueller Editionslage - insgesamt hunderteinundzwanzig dieser Kürzestgeschichten. Ihr Protagonist ist jeweils Herr Keuner, den Brecht bisweilen auch als „Herr K.“ abkürzt. Die gleichnamige Hauptperson aus Kafkas „Prozeß“ hatte Brecht seinerzeit noch nicht kennen können. Es scheint also, dass der Buchstabe K große literarische Kraft besitzt.

          Bilderstrecke
          Ulf K. : „Keuner und die deutsche Politik“

          Wer wäre nun besser geeignet, die „Geschichten vom Herrn Keuner“ in einem Comic Wirklichkeit werden zu lassen, als ein Künstler, der selbst den Namen K. als Pseudonym trägt? Ulf K. lebt in Düsseldorf, ist vierundvierzig Jahre alt und wurde 2004 mit dem Max-und-Moritz-Preis als bester deutscher Comiczeichner geehrt. Den Lesern dieser Zeitung waren seine Qualitäten allerdings schon vorher bekannt, denn mit Ulf K.s kleiner Fortsetzungsserie „Der Exlibris“ begann im September 2000 die seitdem anhaltende Comic-Tradition der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nun setzt sie deren Begründer wieder einmal selbst fort, wenn auch diesmal „nur“ als Zeichner von Bertolt Brecht.

          Wobei es sinnlos wäre, die Keuner-Geschichten eins zu eins ins Bild zu setzen. Es handelt sich dabei nämlich um knappe Prosa, die sich mit so etwas wie Handlungsort oder Personenschilderung gar nicht erst aufhält. Keuner ist für Brecht ein Sprachrohr - politisch, gesellschaftlich, ästhetisch, mal mit Brechts eigenen Worten, mal als Advocatus Diaboli. Vorbild für solche Kargheit ist die klassische chinesische Literatur, mit der Brecht sich in den zwanziger Jahren intensiv auseinandersetzte.

          In Ulf K.s „Keuner“ wird das zu Bildern gemacht, was Brecht allegorisch ausgedrückt hat: Wenn von einem Hai die Rede ist, dann tritt auch einer auf, und am Schluss der entsprechenden Episode wird die Allegorie selbst dann doch auch als Prinzip vorgeführt, indem Herr Keuner plötzlich als Hai auftritt. Bisweilen verabschiedet Ulf K. aber auch den spärlichen Kontext der Vorlage und schmückt ihn nach eigenem Gusto neu aus.

          So unterschiedlich im Umfang wie Brechts Geschichten sind auch die danach entstandenen Comics. Etwas mehr als dreißig Episoden hat Ulf K. aus den hunderteinundzwanzig „Geschichten vom Herrn Keuner“ ausgesucht, und je nach Inhalt werden daraus zwei, drei oder vier Fortsetzungsfolgen (der Auftakt besteht aus einer solchen Viererfolge, die also am Freitag abgeschlossen sein wird). Doch manchmal ist eine Keuner-Geschichte auch in einem einzigen Comic-Strip abzuhandeln. So nah an Bertolt Brecht, und doch so selbständig. Dieser Ulf K. scheint genau der Richtige zu sein.

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