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Greser & Lenz : Gesammelte Werke

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Rebellen mit Sinn für Gemütlichkeit: Greser und Lenz Bild: F.A.Z.-Rainer Wohlfahrt

Mit der „Titanic“ aufgestiegen, bei der F.A.Z. groß geworden: Achim Greser und Heribert Lenz haben quasi nebenbei die Karikatur neu erfunden.

          „Wer hat denn nun immer die Ideen von Ihnen“, fragt der Fremde im Anzug, dessen Name im Kneipenlärm untergegangen ist. Immer dieselbe alte Leier. Achim Greser und Heribert Lenz reichen Hände über den Wirtshaustisch, lächeln verbindlich und nuscheln Antworten, die das allgemeine Getöse sofort verschluckt.

          Der Hausherr, der die Vorstellung eingefädelt hat, wirkt vor Stolz ein paar Zentimeter größer. Sie seien mit ihren Zeichnungen inzwischen wohl fast täglich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vertreten, fügt er rühmend an. „Der Laden gehört uns ja“, schnoddert Lenz. „Mafiös!“ kräht Achim Greser und bricht in sein meckerndes Lachen aus.

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          Volles Haus im Aschaffenburger „Schlappeseppel“, ein ganz gewöhnlicher Montag: Das „Schlappeseppel“-Export kommt, „da muß ich darauf hinweisen“, sagt Lenz, in Halblitergläsern auf den Tisch. Greser piekt auf einem Teller Farfalle herum, die hier „Schmetterlingsnudeln mit Haschee“ heißen. Es lohnt sich, den Bierdeckel umzudrehen: Da sitzen zwei Saufbolde im Engelsgewand auf einer Wolke. „Leberzirrhose! Und du?“ fragt der eine mit gequältem Blick. Der andere hat Kopf und Fuß verbunden. In der linken Hand hält er noch das abgebrochene Lenkrad, mit der Bierflasche in der rechten prostet er dem Kollegen vergnügt zu: „Das ist mir, Gott sei Dank, erspart geblieben.“ Eine Zeichnung von Greser und Lenz im Auftrag ihres Lieblingsbrauhauses.

          Mit den letzten Resten der Glaubwürdigkeit

          Wenn die Männer dann erzählen, wie sie, die „Titanic“-Zeichner, sich in der F.A.Z. etabliert und nebenbei die politische Karikatur als Tageszeitungsgenre revolutioniert haben, geht das ungefähr so: Greser, der Rothaarige, dominiert das Gespräch. Lenz, der Lange, ist für Einwürfe zuständig. Greser, 44 Jahre alt, formuliert bisweilen intellektuell. Lenz, 47, bleibt bodenständig sachlich. Gresers Witze krachen, die Pointen von Lenz schleichen sich an. Greser beichtet, daß sie für eine Partie „Schwimmen“ schon aus dem „Schlappeseppel“ geflogen sind, weil bei 15 Euro Einsatz die Emotionen hochkochten. Lenz fügt spitz hinzu: „Sie haben wahrscheinlich gemerkt, daß der Kollege der Lautere ist.“ Greser lacht meckernd. Lenz schnaubt heiter vor sich hin. Und weil Kartenspielen lustiger ist als Interviews, folgt die Probe aufs Exempel.

          „Schwimmen“ hat ein Niveau, das eigentlich maximal taugt, um Mittelstufenschülern die Freistunden zu vertreiben. Jeder bekommt drei Karten, drei weitere liegen zum Austausch auf dem Tisch, jeder muß möglichst viele Punkte sammeln. Lenz ist als erster draußen, dann verliert Greser und krakeelt ob der angeblichen Gefühlskälte seiner Konkurrenten: „Mit Pinguinen spiele ich um das Kanzleramt der Antarktis!“ Gelegentlich knallt er in Rage die flache Hand auf den Tisch. Die Kellnerin kümmert’s nicht, sie ersetzt jedes Bier, kurz bevor es zur Neige geht, schließlich hat sie Greser und Lenz schon vor zwanzig Jahren bedient - damals noch in einem Würzburger Studentencafe. Angesichts solcher merkwürdigen Zufälle und des steigenden Alkoholpegels schwurbelt Greser mit echtem Staunen: „Die letzten Reste an Gläubigkeit zwingen einen doch irgendwie zu erkennen, daß alles gut war, was man gemacht hat.“

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