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„Don Quijote“ als Comic : Von der lustigsten Gestalt

Es beginnt mit dem Beschwerdebrief eines merkwürdigen Lesers und währt dann ein halbes Jahr lang: Flix zeichnet für die F.A.Z. „Don Quijote“ als Comic.

          Wenn Sie diesen Artikel angeklickt haben, werden Sie dort zunächst keinen Comic, sondern einen Leserbrief finden. Allerdings einen, der bereits zu unserem neuen Comic gehört: zu „Don Quijote“ von Flix. Und wer nun meint, „Don Quijote“ sei doch von Cervantes, der hat natürlich recht, aber in diesem speziellen Fall darf der Berliner Comiczeichner Flix mit Fug seinen Urhebervermerk dazusetzen. Denn er erzählt „Don Quijote“ völlig neu.

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          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Wie so etwas aussieht? Der literarische Klassiker wird in die Gegenwart versetzt und umgemodelt, ohne dass dabei aber die spezifischen Themen und Formen des Originals auf der Stecke blieben. Schon der heutige Leserbrief, der von keinem Geringeren signiert ist als dem Helden des „Don Quijote“, nämlich Alonso Quijano, nimmt ja das subtile Spiel mit der Erzählfiktion auf, das Cervantes vor mehr als vierhundert Jahren mit seinem satirischen Ritterroman betrieb: Die Handlung kommentiert aufs böseste die literarische Form, der sie sich verdankt. So hält es zum Beginn seiner neuen Serie auch Flix (und dass er dabei einigen Lesern aus dem Herzen schreiben wird, gehört mit zum tollen Spaß).

          Aus Toboso wird Tobosow

          Diese Übersetzung des „Don Quijote“ in einen deutschen Comic erfordert mehr als bloße Adaption. Sie macht aus Toboso, der Heimatstadt der im Roman von Alonso Quijano imaginierten schönen Dulcinea, für die er seine Heldentaten begehen will, den urbrandenburgisch klingenden Ort Tobosow im Landkreis Müritz. Aus Dulcinea selbst macht Flix die Katze des deutschen Alonso, und aus den berühmten Windmühlen, gegen die der Ritter von der traurigen Gestalt im Buch anreitet, wird im Comic eine ästhetische Plage von höchst aktueller Bedeutung: ein Windpark, errichtet von einer Aktiengesellschaft namens „La Mancha“, die übrigens für ihre Bautafeln einen Dienstleister beschäftigt, der auf den schönen Namen Paulo Coelho hört und „Beschriftungen aller Art“ anbietet. Doch damit genug der vorweggenommenen Geistesblitze dieses Pointenfeuerwerks.

          Flix kleidet seinen „Don Quijote“ in einen an französischen Vorbildern (die von André Franquin bis Lewis Trondheim reichen) geschulten Zeichenstil - kein anderer deutscher Comic-Künstler hat die fließende Linie der Schule von Marcinelle so konsequent weiterentwickelt wie der 1976 geborene Berliner.

          Doch für seinen Humor im Umgang mit den sakrosankten Heroen der Weltliteratur gibt es wenig Vergleiche. Diesen Umgang mag man bisweilen respektlos nennen - etwa wenn Sancho Panza schon in der siebten Folge das Zeitliche segnet -, aber er ist immer voll Bewunderung und Erkenntniskraft, weil Flix sich derart intensiv in seine Vorlagen und deren Rezeption eingearbeitet hat, dass er gerade in den freiesten Passagen seiner Übertragung verblüffende Rückschlüsse auf den originalen „Don Quijote“ erlaubt.

          Beginnen kann nun die große Schlacht des deutschen Alonso Quijano, die ein halbes Jahr währen wird.

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