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Comics zu 9/11 : Wenn Amerikas Himmel zerbricht

Zur Hölle mit dem Terror: Frank Miller zeichnet drastisch wie kein Zweiter Bild: Legendary

Ein Comic und sein Gegenstück: Während die Terror-Geschichten von Frank Miller provozieren, zeichnet David B. poetische Bilder der Vorgeschichte von 9/11.

          Im Gegensatz zu seinem Helden, dem „Fixer“, kommt Frank Miller zu spät. „Holy Terror“, der langerwartete neue Comic des populärsten amerikanischen Superheldenzeichners (und des teuersten, seit für eine einzige Batman-Originalseite aus seinem Meisterwerk „The Dark Knight Returns“ von 1986 kürzlich mehr als 400.000 Dollar bezahlt wurden), sollte pünktlich zum zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September erscheinen. Nun hat es ein paar Wochen länger gedauert, aber an Brisanz hat das Werk dadurch nicht verloren.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Miller macht auf den insgesamt 120 querformatigen Comicseiten das, was er auch schon mit „Sin City“ und „300“, die beide höchst erfolgreich verfilmt wurden, getan hat: Er inszeniert eine Orgie der Gewalt. In Empire City, einer fiktiven amerikanischen Großstadt, deren Hafeneinfahrt von einer Gerechtigkeitsstatue geziert wird, findet eine ganze Kette von Selbstmordanschlägen statt. Es beginnt mit Nagelbomben, geht zu Flugzeugangriffen über und steuert auf ein Giftgasattentat zu, das diejenigen, die den vorherigen Terror überlebt haben, töten soll. In dieses Inferno verirren sich Natalie Stack, eine aufreizend gekleidete Fassadenkletterin, und der Fixer, eine Figur, die Miller wie Batman zeichnet, aber natürlich nicht so nennen darf, weil „Holy Terror“ im neugegründeten Verlag Legendary Comics erscheint. Der gehört zum Filmunternehmen Legendary, das sich derzeit mit Verfilmungen popkultureller Phänomene wie den Computerspielen „World of Warcraft“ und „Mass Effect“ oder einer neuen Kinoversion von „Godzilla“ beschäftigt und dabei mit Regisseuren wie Guillermo del Toro und Alex Proyas zusammenarbeitet. Zu deren Drastik passt Millers Comic wie die Faust des Fixers in die Zahnreihen der Attentäter.

          Nie zerbrach der Himmel so fulminant wie bei Miller

          Es geht archaisch zu im amerikanischen Abwehrkampf gegen den Islamismus. Der Fixer bekämpft die Infamie der Suizidbomber meist mit bloßen Händen (also als ehrliche Haut); erst am Schluss greift er zum großen Geschütz. Da liegt seine unfreiwillige Mitstreiterin Natalie, von den Angreifern in bester Bondage-Manier verschnürt, zu Füßen der bärbeißigen Kampfmaschine - eine Männerphantasie par excellence, die Miller als Gegenentwurf zur Todessehnsucht seiner Attentäter inszeniert: Der Westen lebt seine Perversionen wenigstens nur in Form von S/M-Spielchen aus.

          „Les meilleurs ennemis“ (Die besten Feinde) von Filiu und David B.

          „Holy Terror“ ist brutal, zynisch und klischeereich. Schon die einleitende Verfolgungsjagd von Natalie und dem Fixer, die das gewaltsame erotische Verhältnis zwischen beiden begründet, ehe die erste Nagelbombenexplosion mit einem alles andere als süßen Schmerz dazwischenfährt, ist diesbezüglich eine Tour de force. Graphisch indes war Miller nie besser. Niemand kann den Himmel zerbrechen lassen wie er, und bei der Arbeit an diesem Buch hat der Perfektionist gar nichts anderen überlassen, nicht einmal jene winzigen Farbeffekte wie die grünen Augen von Natalie oder die roten Sohlen ihrer Sneaker, die im nachtschwarzen Sturm der Handlung oftmals die einzigen Orientierungspunkte darstellen, die eine Identifikation der verschlungenen oder misshandelten Körper erlauben.

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