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„Gintama“ auf Animax : Das ungezogene Schwert

Braucht keine grauen Schläfen: der Mann mit der „Silberseele“ und Anführer der Yorozuya, Sakata Gintoki. Bild: Hideaki Sorachi/Shueisha

Von wegen „Eat Pray Love“: Die Welt des japanischen Trickfilms kennt im Wesentlichen „Eat Slay Loath“. Doch in der Serie „Gintama“ ist Humor die schärfste Waffe.

          2 Min.

          In japanischen Trickfilmserien (Anime) geht es immer sehr gefühlsbetont zu. Es wird geweint, gelacht und noch mehr geschrien – meist, um etwas Zeit zu schinden, damit die Animation nicht die Geschichte der gedruckten Comicvorlage überholt. Ansonsten wird gekämpft und gegessen. Ab und an gibt es einen schlüpfrigen Witz über Unterwäsche oder Oberweite. Das wird – da die Trickfilme nicht nur in Japan von Groß und Klein geschaut werden – so nebenbei wie selbstverständlich eingebaut.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Ansonsten aber tritt der Humor zurück. In „Sailor Moon“, „Dragonball“, „Pokémon“, „Yu-Gi-Oh“, „One Piece“ und „Naruto“ hangelt sich die Handlung von einem vermeintlich unüberwindbaren Gegner zum anderen, von einer Selbstoptimierung zur nächsten. Es gibt dort Platz für Komik, doch die Hauptlast trägt der Ernst. Einzig Serien wie „Lupin III“ oder „Cowboy Bebop“ bieten der Komik ausreichend Raum. Zu eigen ist dieser Spielart des Animes, dass die absurdeste Komik und der einfachste Schulhofhumor von einer Sekunde zur anderen in rührende Tragik münden können. Nur um schließlich wieder derart mit Pathos aufgeladen zu werden, dass es ebenso schnell wieder in die andere Richtung kippt.

          Sie kämpfen für all die Unterdrückten in ihrem Kiez

          Eine Serie voller Doppeldeutigkeiten, die dieses Spiel meisterhaft beherrscht, ist „Gintama“. Sie ist seit kurzem bei Animax, dem Anime-On-Demand-Angebot von Sony, auch in Deutschland zu sehen. Die Serie spielt in der ausgehenden Edo-Periode (1603 bis 1868). Anstelle von Admiral Perry und seinen schwarzen Schiffen zwingen hier Außerirdische, die „Amanto“ (Himmelsleute), den Shogun zur Öffnung des isolierten Landes. Um den Widerstand im Keim zu ersticken, werden der Kriegerkaste die Schwerter genommen.

          Selten einer Meinung: Okita Sougo von der Shinsengumi und das Yato-Mädchen Kagura.

          Von nun an kreist das Geschehen um den silberhaarigen Ex-Samurai Gintoki Sakata und seine beiden Gehilfen, den Teenager Shinpachi Shimura und das außerirdische „Yato“-Mädchen Kagura. Zu dritt schlagen sie sich als „Yorozuya“ – eine Art Söldnertruppe für alle Fälle – durch die fünfundzwanzigminütigen Episoden und kämpfen für all die Unterdrückten in ihrem Kiez und darüber hinaus.

          Die Doppelbödigkeit der Serie mit überreiztem Pathos und absoluter Albernheit wird schon im Titel deutlich: Übersetzt wird er – dank der Schriftzeichen für Silber und Seele – mit „Silberseele“. Dabei sucht der Titel die Nähe zum Wort „Kintama“, bestehend aus Gold und Kugel. Das bezieht sich – Singular und Plural ergeben sich im Japanischen aus dem Kontext – umgangssprachlich auf die männlichen Hoden.

          „Wagahai ha uno ga aru“ – „Ich habe Uno“

          Die Serie richtet sich insbesondere an ein Publikum, das mit den Figuren aus anderen Animes vertraut ist. „Gintama“ ist ein großer Meta-Anime, der die bunte Figurenwelt, die Stilmittel des Genres sowie die japanische Gesellschaft, ihre Geschichte und Mythen auf die Schippe nimmt. Viele Figuren finden ihre Vorbilder in Personen aus der japanischen Feudalzeit. Gintoki Sakata, der silberhaarige Held der Serie, nimmt Bezug auf die japanische Sage von „Kintaro“, einem kleinen Jungen mit übermenschlichen Kräften, der später als Samurai auf den Namen Kintoki Sakata hört.

          Wenn das „Yorozuya“-Trio in einem alten Badehaus von den zerstrittenen Geistern der Feudalherren Nobunaga Oda, Mitsuhide Akechi, Hideyoshi Toyotomi besessen und dazu verflucht wird, badenderweise das Kartenspiel „Uno“ zu spielen bis in alle Ewigkeit („Wagahai ha uno ga aru“ – „Ich habe Uno“), prallen Geschichte und Gegenwart auf hinreißend komische Art aufeinander. So wird das Grundmotiv der Serie, das um Werte wie Freundschaft, Ehre, Hingabe und Zuneigung kreist, aufgelockert und „Gintama“ bleibt trotz reichlich Kampf und viel Geschrei kurzweilig. Als Zuschauer ist man nie sicher, an welcher unpassenden Stelle der Anarcho-Humor durchbricht. Wie ihr Protagonist mit der „Silberseele“ und dem Holzschwert macht die Serie vor nichts halt. Sie packt den Zuschauer genau dort, wo Lachen und Weinen nahe beieinanderliegen.

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